Microsoft hat das Programm Xbox Backward Compatibility on PC gestartet und bringt damit erstmals Spiele der ersten Xbox-Konsole auf Windows-Rechner und Handhelds. Den Anfang machen vier Titel: BLiNX: The Time Sweeper, Conker: Live and Reloaded, Crimson Skies: High Road to Revenge und Fuzion Frenzy. Jason Ronald, Vice President Next Generation bei Xbox, kündigte das Programm am 22. Juli 2026 im Xbox Wire an. Jeder Titel kostet einzeln 10 Euro und ist in allen Stufen des Xbox Game Pass enthalten. Wer die Spiele bereits digital für die Konsole erworben hat, erhält die PC-Fassung ohne Aufpreis.
Technisch sind es keine reinen Portierungen. Microsoft stattet die PC-Fassungen mit bis zu vierfacher Auflösungsskalierung, VSync, anisotroper Filterung, verbessertem Anti-Aliasing sowie Fenster- und Vollbildmodus aus. Vorausgesetzt werden Windows 11 und die Xbox-App, die Hardware-Anforderungen bleiben niedrig: Eine GeForce GTX 950, eine Radeon RX 550 oder eine Intel Arc A310 genügen als GPU, dazu kommen 8 GByte RAM und 4 GByte Videospeicher. Als Referenzhardware für empfohlene Einstellungen nennt Microsoft eine Radeon RX 6800S, eine GeForce GTX 1070 Ti oder eine Intel Arc A770 mit 16 GByte RAM und 8 GByte Videospeicher. Die vier Titel starten in einer Early-Release-Phase und sind in den unterstützten Regionen über die Xbox-App auf dem PC verfügbar.
Emulator im Emulator
Wie Microsoft die Abwärtskompatibilität technisch umsetzt, hat der IT-Sicherheitsforscher Milenko durch Zerlegen der PC-Fassung von Fuzion Frenzy aufgeklärt. Er stieß auf einen Emulator namens XeO3, die Technik, mit der Xbox One und Xbox Series X/S bislang Xbox-360-Spiele wiedergeben. Innerhalb dieses emulierten Xbox-360-Systems läuft anschließend XEFU, jene Schicht, mit der die Xbox 360 einst Spiele der ersten Xbox ausführte. Auf dem PC läuft also ein Xbox-360-Emulator, der wiederum einen Original-Xbox-Emulator ausführt, der schließlich das Spiel startet. „Ein schönes Stück Ingenieurskunst“, schrieb Milenko auf X.
Die verschachtelte Emulation bestätigt nach Einschätzung des Dataminers Nathan, alias TheLunarixus, dass künftig auch Xbox-360-Spiele abwärtskompatibel auf den PC kommen könnten. Microsoft selbst hat dazu keine Aussage getroffen und lässt offen, ob und wann die Xbox-360-Bibliothek offiziell den Weg auf den PC findet. Einen passenden Emulator gäbe es mit XeO3 nun zumindest.

Programm lief bis 2021, GDC 2026 markiert Rückkehr
Das Programm zur Abwärtskompatibilität hatte Microsoft 2015 auf der E3 aufgelegt und im November 2021 eingestellt, weil man an lizenzrechtliche, juristische und technische Grenzen gestoßen war. Auf der Entwicklerkonferenz GDC kündigte Jason Ronald im März 2026 die Rückkehr an: Zum 25. Xbox-Jubiläum wolle man neue Wege bereitstellen, Spiele der Vergangenheit zu spielen. Konkreter wurde er damals nicht. Das Team für Spieleerhaltung, das Microsoft 2024 aufgebaut hatte, liefert dazu die organisatorische Grundlage.
Konsolentitel aus der eigenen Xbox-Bibliothek ließen sich am Rechner bislang nur per Stream nutzen. Rund 250 Spiele unterstützt Microsofts Programm Stream Your Own Game, gerechnet wird dabei auf der Konsole oder in einem Rechenzentrum. Die vier Klassiker laufen dagegen lokal. Im Kontext der kommenden Xbox-Generation Project Helix, die auch PC-Spiele ausführen soll, rücken Windows und Xbox enger zusammen. Ein Emulator, der Xbox-360-Titel unter Windows ausführt, wäre dafür ein nützliches Werkzeug.
Erfolge für die Klassiker folgen später
Microsoft kündigte zudem an, später in diesem Jahr Erfolge für ausgewählte Spiele der ersten Xbox auf Konsole und PC nachzuliefern. Die ersten vier Titel sollen in den kommenden Monaten entsprechend aktualisiert werden. Neben klassischen PCs werden auch die Handhelds ROG Xbox Ally und Xbox Ally X unterstützt. Über die Xbox-App lassen sich die abwärtskompatiblen Titel installieren, vorhandene digitale Lizenzen von der Konsole werden über Xbox Play Anywhere und Xbox Cloud Gaming auf den PC übertragen.