Der Tech-Riese Microsoft hat für das Geschäftsjahr 2025 erstmals einen „Public Country-by-Country Report“ vorgelegt und damit seine Steuerzahlungen in der Europäischen Union offengelegt. Insgesamt zahlte der Konzern in der EU rund 6,3 Milliarden US-Dollar an Körperschaftsteuern. Auffällig ist dabei die extreme Konzentration: Der Löwenanteil von 5,6 Milliarden US-Dollar floss nach Irland, während Deutschland trotz hoher Umsätze nur einen Bruchteil abbekam.
Geringer Gewinnanteil in Deutschland
Obwohl die Bundesrepublik mit 3.471 Beschäftigten einer der größten Standorte von Microsoft in Europa ist und dort ein Umsatz von 11,68 Milliarden US-Dollar erzielt wurde, belief sich der ausgewiesene Vorsteuergewinn auf lediglich 661,2 Millionen US-Dollar. Folglich zahlte Microsoft in Deutschland nur rund 174,2 Millionen US-Dollar (ca. 153 Millionen Euro) an Steuern. Microsoft begründet dies damit, dass die deutsche Tochtergesellschaft primär Vertrieb, Marketing und Forschung betreibt, während die wertvollen Software-Lizenzen in Irland gebündelt sind.
Irland als Steuersparmodell
In Dublin hat Microsoft seine Europazentrale. Die dortigen Tochtergesellschaften erwirtschafteten mit 6.654 Mitarbeitern einen Vorsteuergewinn von 47,1 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 196 Milliarden US-Dollar. Irland dient Microsoft ganz offiziell als Steuersparmodell, da Gewinne durch die Auslandszentrale dort zu deutlich niedrigeren Sätzen versteuert werden können. Global zahlte Microsoft im Fiskaljahr 2025 rund 28,7 Milliarden US-Dollar an Körperschaftsteuern – und liegt damit weltweit auf Platz zwei hinter Apple (29,7 Milliarden US-Dollar).
Kuriosität in Frankreich und EU-Reformdruck
Der Bericht zeigt auch Kuriositäten: In Frankreich wies Microsoft bei einem Umsatz von 6,67 Milliarden US-Dollar eine negative Steuerzahlung von minus 96,4 Millionen US-Dollar aus. Dies resultierte aus einer einmaligen Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern aus den Vorjahren. Die EU-Kommission drängt angesichts solcher Modelle seit Jahren auf Steuerreformen für US-Digitalkonzerne, unter anderem durch die globale Mindeststeuer der OECD und den Digital Markets Act, um Steuerschlupflöcher zu schließen.
