Auf der Game Developers Conference hat Microsoft am 21. März 2025 eine Reihe technischer Optimierungen für das Cloud-Streaming (Beta) vorgestellt, die sich vor allem an Entwickler richten. Zwei Punkte stehen dabei im Mittelpunkt, beide gegen die Eingabelatenz: eine Verarbeitungspipeline namens Direct Capture und der Wechsel des Streaming-Transports auf WebRTC. Direct Capture senkt die Eingabelatenz laut Microsoft je nach Titel um 16 bis 72 Millisekunden und ist mittlerweile auf nahezu den kompletten Spielekatalog ausgeweitet. Wie sich das Ganze in die größeren Pläne des Konzerns einfügt, zeigt der Blick auf Xbox Cloud Gaming als Teil der Gaming-Sparte.
Geschrieben hat den Beitrag Harrison Hoffman, Principal Product Manager im Bereich Cloud Apps and Devices. Die Neuerungen gehören zum laufenden Beta-Programm des Dienstes, der nach Angaben von Microsoft in 28 großen Märkten verfügbar ist. Eine Zahl zur Größenordnung liefert das Unternehmen gleich mit: 140 Millionen gestreamte Spielstunden im Zeitraum Oktober bis Dezember 2024.
Wie Direct Capture und WebRTC die Latenz drücken
WebRTC als Übertragungsschicht senkt nach Darstellung von Microsoft die Latenz und steckt zugleich Paketverluste besser weg, weil das Packet-Loss-Management überarbeitet wurde. Dazu kommen gerätespezifische Anpassungen an den Video-Decodern, die noch einmal einen zweistelligen Millisekundenbereich sparen, sowie veränderte Pufferstrategien für eine gleichmäßigere Wiedergabe. Außerdem baut das Unternehmen die Rechenzentren aus, um die Netzwerklatenz zu drücken, und arbeitet mit Hardwarepartnern an Optimierungen direkt auf den Geräten.
Die Spanne von 16 bis 72 Millisekunden bei Direct Capture hängt vom jeweiligen Titel ab. Weil Microsoft die Verarbeitung inzwischen auf fast den gesamten Katalog ausgerollt hat, profitieren nicht mehr nur einzelne ausgewählte Spiele davon, sondern der Großteil des Angebots, das sich über die Cloud streamen lässt.
Was Studios davon haben sollen
Gegenüber den Studios argumentiert Microsoft mit größerer Reichweite, vor allem über Geräte, die bislang nicht in erster Linie zum Spielen gedacht waren. Konkret nennt das Unternehmen iOS, Android, Chromebooks, Samsung-Fernseher, Fire TV, Meta Quest und LG-Fernseher. Das Cloud-Streaming soll außerdem erlauben, einen Titel vor dem Download auszuprobieren, was die Auffindbarkeit verbessert. Wer eine Xbox One besitzt, kommt über den Dienst nach Angaben des Unternehmens an Titel für Xbox Series X und S, ohne neue Hardware kaufen zu müssen.
Diese Punkte verknüpft Microsoft mit der Frage, wie sich ein Spiel verwerten lässt. Eine größere erreichbare Spielerbasis verlängere den Lebenszyklus eines Titels und vergrößere dessen wirtschaftliches Potenzial. Damit dienen die auf der GDC 2025 vorgestellten technischen Verbesserungen zugleich als Verkaufsargument, um Entwickler auf die Plattform zu holen.
