Solarpunk im Review: Entschleunigtes Survival mit guten Ideen und sichtbaren Schwächen

Solarpunk verbindet Survival-Crafting mit einem betont friedlichen Ansatz. Statt Kampf, Bedrohung und Ressourcenknappheit im klassischen Sinne setzt das Spiel von Cyberwave und rokaplay auf schwebende Inseln, erneuerbare Energie, Landwirtschaft, Basisbau und Erkundung per Luftschiff. Das Ergebnis ist ein auffällig ruhiges Cozy-Survival-Spiel, das mit seinem Konzept durchaus Akzente setzt, in der aktuellen Fassung aber nicht in allen Bereichen trägt.

Überleben ohne ständigen Druck

Der Einstieg folgt bekannten Mustern des Survival-Genres. Eine Spielfigur erwacht auf einer schwebenden Insel, sammelt Holz, Stein, Nahrung und Wasser, errichtet erste Werkzeuge und arbeitet sich über Forschung und Crafting zu neuen Möglichkeiten vor. Der Unterschied liegt im Ton. Solarpunk verzichtet auf Gegner, Kämpfe und harte Strafen. Hunger und Durst sind vorhanden, wirken aber eher als sanfte Strukturgeber denn als permanenter Druck.

Damit rückt der Alltag auf der Insel in den Mittelpunkt. Felder werden angelegt, Pflanzen angebaut, Ressourcen verarbeitet und Tiere gehalten. Die Nachhaltigkeit ist dabei nicht nur optisches Thema, sondern Teil der Spielsysteme. Wer Bäume fällt, erhält Setzlinge. Energie stammt aus Solarpanels, Windkraft und später weiteren ökologischen Quellen. Maschinen, Sprinkler und Bohrer lassen sich über ein Stromnetz betreiben, Batterien speichern Überschüsse. Gerade diese Verbindung aus Umweltmotiv, Aufbau und Automatisierung gehört zu den stärkeren Ideen des Spiels.

Die Kehrseite: Solarpunk nimmt seinem Survival-Teil sehr viel Schärfe. Das passt zur Cozy-Ausrichtung, reduziert aber auch Spannung und Reibung. Nahrung, Wasser und Wetterereignisse erzeugen selten echten Handlungsdruck. Wer ein forderndes Crafting- oder Survival-Erlebnis erwartet, dürfte schnell merken, dass Solarpunk eher als ruhige Bausimulation mit Survival-Elementen funktioniert.

Bauen, Automatisieren und Fliegen

Das Bausystem gehört zu den zentralen Stärken. Holzkonstruktionen, Glas- und Steinelemente, Möbel und Dekorationen lassen viel Raum für eigene Entwürfe. Vom kleinen Holzhaus bis zur ausgebauten Inselbasis ist vieles möglich. Besonders für Spieler, die gerne an Details arbeiten, Räume einrichten und eine eigene Umgebung gestalten, bietet Solarpunk eine solide Grundlage.

Mit dem Luftschiff die Inseln bereisen in Solarpunk - Bild: Rokaplay & Cyberwave
Mit dem Luftschiff die Inseln bereisen in Solarpunk – Bild: Rokaplay & Cyberwave

Auch die Automatisierung passt gut in das Konzept. Sprinkler übernehmen die Bewässerung, elektrische Bohrer fördern Erze, Drohnen transportieren Ressourcen zwischen Inseln oder helfen bei der Feldarbeit. Dadurch öffnet sich das Spiel nach einigen Stunden spürbar. Aus dem manuellen Sammeln und Gießen wird schrittweise ein kleines Versorgungssystem, das mit erneuerbarer Energie betrieben wird.

Die Luftschiffe sorgen für den wichtigsten Ortswechsel. Neue Inseln liefern seltenere Rohstoffe, andere Pflanzen, Tiere und weitere Bau- oder Forschungsoptionen. Die Steuerung wirkt grundsätzlich zugänglich, die Idee einer Reise zwischen Himmelsinseln bleibt atmosphärisch stark. Auf Dauer entstehen hier aber Längen. Die Flüge dauern teils mehrere Minuten und verlangen zwischen Start und Landung kaum Interaktion. Was zunächst entschleunigend wirkt, kann sich nach mehreren Reisen repetitiv anfühlen.

Technik und Spielfluss bremsen das Konzept

Optisch arbeitet Solarpunk mit einem weichen, farbenfrohen Comiclook. Die Welt wirkt freundlich, die Tiere sind bewusst niedlich gestaltet, die Musik unterstützt den ruhigen Grundton. Auf den getesteten Plattformen wird dem Spiel eine grundsätzlich stabile Performance zugeschrieben. Beim Anflug auf Inseln kann Vegetation allerdings sichtbar nachladen, was bei dem reduzierten Stil auffällt.

Hühner an der Futterstation in Solarpunk - Bild: Rokaplay & Cyberwave
Hühner an der Futterstation in Solarpunk – Bild: Rokaplay & Cyberwave

Deutlicher ins Gewicht fallen spielerische Fehler. In mehreren Berichten werden festhängende Tiere, Probleme mit Luftschiffen, fehlerhafte Inventarinteraktionen und Schwierigkeiten im Baumodus genannt. Besonders Inventarprobleme können den Spielfluss erheblich stören, wenn Gegenstände nicht korrekt eingesammelt oder Maschinen nicht mehr wie vorgesehen befüllt werden können. In unserem Test war nach der Erweiterung des Inventars keine Interaktion mit dem Inventar mehr möglich. Auch wenn nicht jeder Fehler zwangsläufig jeden Spielstand betrifft, sind solche Probleme in einem Spiel, das stark auf Sammeln, Bauen und Verwalten setzt, mehr als kosmetische Schwächen.

Dazu kommt die geringe Interaktion mit der Spielwelt. Abseits der Tiere und eines Händlers bleibt Solarpunk vergleichsweise leer. Eine ausgearbeitete Geschichte, stärkere NPC-Strukturen oder dynamischere Ereignisse fehlen weitgehend. Das ist für ein offenes Cozy-Sandbox-Spiel nicht zwingend ein Problem, verstärkt aber den Eindruck von Leerlauf.

Ein gutes Fundament, aber kein rundes Gesamtbild

Solarpunk hat eine klare Identität. Das Spiel will kein Valheim, kein Rust und kein Subnautica in aggressionsfreier Variante sein. Es versteht sich als friedlicher Gegenentwurf zum klassischen Survival-Stress: bauen, anbauen, automatisieren, Energie erzeugen, Inseln erkunden und mit Freunden eine Basis in den Wolken errichten. In seinen besten Momenten funktioniert genau das.

Zum Spiel

Für das Cozy-Survival-Genre ist der Titel deshalb interessant. Die Kombination aus nachhaltiger Energie, Luftschiff-Erkundung und Automatisierung hebt Solarpunk von vielen ähnlich gelagerten Sandbox-Spielen ab. Gleichzeitig zeigt sich aber, wie schwierig die Balance ist. Zu wenig Druck, zu wenig Abwechslung und zu lange Wege können aus Entschleunigung schnell Monotonie machen.

Unterm Strich bleibt Solarpunk ein charmantes, aber nicht vollständig überzeugendes Survival-Crafting-Spiel. Wer vor allem bauen, dekorieren, ruhig farmen und ein kleines Inselprojekt entwickeln möchte, findet hier eine passende Grundlage. Wer mehr Tiefe, stärkere Weltinteraktion, anspruchsvollere Systeme oder einen klareren Fortschrittsbogen erwartet, dürfte die Schwächen schneller bemerken. Das Potenzial ist sichtbar, doch die aktuelle Fassung braucht Feinschliff bei Technik, Komfort und langfristiger Motivation. Wir freuen uns schon auf kommende Updates und weitere Abende voller Entspannung.

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