OVH-Brand: Offizieller Untersuchungsbericht nennt Schwachstellen im Rechenzentrum

Das französische Bureau d’enquêtes et d’analyses sur les risques industriels (BEA-RI) hat am 24. Mai 2022 den Untersuchungsbericht zum Brand im OVH-Rechenzentrum SBG2 in Straßburg veröffentlicht. Die technische Untersuchung beschreibt mehrere Faktoren, die die Ausbreitung des Feuers und den Einsatz der Rettungskräfte erschwerten. Sie dient der Unfallprävention und stellt ausdrücklich keine Schuld- oder Haftungsfeststellung dar.

Der Brand war in der Nacht vom 9. auf den 10. März 2021 in den Räumen für Batterien und unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) im Erdgeschoss von SBG2 ausgebrochen. Nach Angaben des offiziellen BEA-RI-Berichts traten die Brände nahezu gleichzeitig an Batterien und einem Wechselrichter auf. Die genaue technische Ursache war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wegen einer parallel laufenden gerichtlichen Expertise nicht abschließend geklärt.

Fehlende automatische Löschung und schwierige Abschaltung

Die Energie-Räume verfügten laut Bericht über eine Branddetektion, aber über keine automatische Löschanlage. Die Konstruktion des Gebäudes mit einer auf natürlichen Luftstrom ausgelegten Kühlung habe die Brandausbreitung begünstigt. Zusätzlich dauerte es, die Stromversorgung des Standorts einschließlich Notstrom und Batterien vollständig zu sichern. Die Feuerwehr konnte den Brand erst nach der elektrischen Abschaltung und mit Unterstützung eines Löschboots unter Kontrolle bringen.

SBG2 wurde vollständig zerstört, während SBG1 teilweise und die Verbindung zu SBG3 beschädigt wurden. Der Ausfall unterbrach die Dienste für zahlreiche OVH-Kunden. Der Bericht nennt als Sicherheitslehren unter anderem eine abgestimmte Planung von Detektion, automatischer Löschung, baulichem Brandschutz, Batteriewartung und Notfallverfahren für die Energieversorgung.

OVH kündigt Änderungen für neue Rechenzentren an

In einer offiziellen Stellungnahme zum BEA-RI-Bericht kündigte OVH an, die automatische Löschung an bislang nicht entsprechend ausgerüsteten Standorten zu verallgemeinern. Geplant waren außerdem eine widerstandsfähigere Unterteilung der Gebäude, getrennte Räume für Energieanlagen und Batterien sowie überarbeitete Verfahren zur schnellen Abschaltung und zur Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten. Für Spiele- und Streamingangebote ist die physische Ausfallsicherheit solcher Rechenzentren ebenso relevant wie für klassische Webdienste, weil auch Cloud-Gaming-Plattformen auf dauerhaft verfügbare Infrastruktur angewiesen sind.

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