E3 2015: Xbox Game Preview gestartet mit Elite Dangerous und The Long Dark

Microsoft hat auf der E3-Pressekonferenz am 15. Juni 2015 das Xbox Game Preview Programm vorgestellt und damit ein Vertriebsmodell auf die Xbox One gebracht, das Spielern den Zugriff auf Titel in aktiver Entwicklung erlaubt. Die ersten beiden Spiele standen noch am selben Tag im Store bereit: Elite: Dangerous von Frontier Developments und The Long Dark von Hinterland. Beide ließen sich ab dem ersten Tag spielen, obwohl die Entwicklung noch nicht abgeschlossen war.

Das Konzept ähnelt dem Early-Access-Modell der PC-Plattform Steam, setzt aber einen eigenen Akzent. Jeder Titel im Programm verfügt über eine kostenlose Testversion, mit der die Community vor dem Kauf einen Eindruck vom Entwicklungsstand gewinnen kann. Erst danach folgt die Kaufentscheidung. Entwickler erhalten im Gegenzug eine zahlende Nutzerbasis, deren Rückmeldungen direkt in den weiteren Entwicklungsprozess einfließen. Aus einem klassischen Closed-Beta-Verhältnis wird so eine laufende, monetarisierte Feedbackschleife.

Vom Selfpublishing zum Verkauf unfertiger Spiele

Game Preview baut auf der Infrastruktur auf, die Microsoft mit dem Selfpublishing-Programm ID@Xbox geschaffen hatte. ID@Xbox ermöglichte unabhängigen Studios, eigene Titel ohne klassischen Publisher auf die Konsole zu bringen. Neben Hardware wie dem Xbox Elite Wireless Controller setzte Microsoft auf der E3 2015 damit auch neue Vertriebsmodelle für Spiele in Entwicklung. Game Preview erweitert das Modell um eine zeitliche Dimension: Studios müssen nicht mehr bis zur Fertigstellung warten, um Einnahmen zu erzielen, sondern können ein Spiel bereits während der Produktion verkaufen. Elite: Dangerous war zum Startzeitpunkt auf dem PC bereits veröffentlicht, die Konsolenfassung jedoch noch in Arbeit. The Long Dark befand sich auf allen Plattformen im Early-Access-Stadium.

Für kleine Teams verändert das die Finanzierungslage. Einnahmen fließen früher, was die Liquidität während der teuersten Entwicklungsphase verbessert. Gleichzeitig liefert die zahlende Nutzerschaft Telemetrie und qualitatives Feedback auf der Zielhardware, lange bevor ein Spiel als fertig gilt. Genau dieser Datenpunkt fehlte vielen Konsolenentwicklungen zuvor, weil Tests fast ausschließlich auf Entwicklerkits liefen.

Zwei Titel als Testlauf

Die Auswahl der Starttitel war kein Zufall. Elite: Dangerous ist ein Weltraum-Massively-Multiplayer-Titel mit einer in voller galaktischer Größe nachgebildeten Milchstraße und einer fortlaufenden Erzählung, also ein technisch und inhaltlich ständig wachsendes Projekt, das vom kontinuierlichen Ausbau profitiert. The Long Dark ist eine Survival-Erfahrung in einer weiten, vereisten Wildnis, in der Solospieler ohne vorgegebene Hilfen zurechtkommen müssen. Beide Spiele eignen sich für ein iteratives Modell, weil ihr Umfang ohnehin schrittweise erweitert wird.

Microsoft startete Game Preview ausdrücklich als Pilotprogramm. Die kostenlose Probefassung jedes Titels war dabei das zentrale Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem reinen Bezahlmodell anderer Plattformen, weil sie das Kaufrisiko für unfertige Software senkt. Für unabhängige Studios entstand damit ein Weg, ein Spiel auf der Konsole zu finanzieren, zu testen und parallel weiterzuentwickeln, ohne auf einen externen Geldgeber angewiesen zu sein.

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