Die britische Kartellbehörde Competition and Markets Authority (CMA) sieht mögliche Probleme für den Spielemarkt, falls es zur angekündigten Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft für 68,7 Milliarden US-Dollar kommt. Das teilte die Behörde am 2. September 2022 in einer Stellungnahme nach Abschluss ihrer ersten Analysephase mit.
Konkret befürchtet die CMA, dass Microsoft seinen Konkurrenten künftig den Zugang zu Spielen von Activision Blizzard verweigern oder nur zu deutlich schlechteren Bedingungen gewähren könnte. Namentlich nannte die Behörde die Reihen Call of Duty und World of Warcraft. Microsoft könnte demnach der Versuchung erliegen, die Wettbewerber Sony und Nintendo zu benachteiligen, indem die Titel nicht mehr auf deren Plattformen erscheinen.
Praktisch nur Call of Duty auf der Playstation betroffen
Ganz praktisch könnte das derzeit allerdings nur bei Call of Duty auf der Playstation passieren, denn für die Nintendo Switch gibt es die Reihe ohnehin nicht. World of Warcraft läuft momentan gar nicht auf Konsolen, wobei Blizzard immer wieder mit entsprechenden Umsetzungen in Verbindung gebracht wird. Neben der Verfügbarkeit von Spielen auf Konkurrenzplattformen sieht die CMA zudem Probleme beim Wettbewerb im Bereich Cloud-Gaming.
Beide Unternehmen haben nun bis zum 8. September 2022 Zeit, sich mit eigenen Stellungnahmen zu äußern. Anschließend entscheidet die CMA, ob sie eine zweite, vertiefte Untersuchungsphase startet, in der verstärkt externe Experten befragt werden sollen.
Microsoft und Kotick sichern Kooperation zu
Microsoft reagierte in einer öffentlichen Stellungnahme auf die Bedenken der britischen Kartellbehörde und versicherte, dass Call of Duty vom ersten Tag an und in vollem Umfang weiterhin auf allen Plattformen erscheinen werde, auf denen die aktuellen Versionen bereits verfügbar sind. Auch Bobby Kotick, der Vorstandschef von Activision Blizzard, äußerte sich mit einer eigenen Mitteilung und erklärte, sein Unternehmen werde in vollem Umfang mit den britischen Behörden zusammenarbeiten. Großbritannien sei für den Konzern auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil man dort mehr Angestellte beschäftige als in jedem anderen Land außer Nordamerika.
Die Untersuchung der CMA ist nicht die einzige Kartellprüfung, mit der sich die Übernahme auseinandersetzen muss. Wenige Tage zuvor hatte mit Saudi-Arabien bereits die erste Wettbewerbsbehörde weltweit grünes Licht für den Deal gegeben, während in Großbritannien, den USA und der EU die eigentlichen Prüfungen erst begannen. Bei der Ankündigung der Übernahmepläne hatte Microsoft ursprünglich mit einer Finalisierung des Kaufs bis 2023 gerechnet. Kotick präzisierte das inzwischen und nannte spätestens Juni 2023 als Zieldatum.