Die Berliner Digitalbank N26 gibt sich ein ungewöhnliches Ziel: „Wir haben die großartige Möglichkeit, in weniger als zehn Jahren die wertvollste deutsche Bank zu werden“, sagte Deutschlandchef Georg Hauer Anfang September 2019 im Interview mit dem Tagesspiegel. Damit nimmt N26 die Deutsche Bank ins Visier, die damals nur noch auf einen Börsenwert von rund 13,8 Milliarden Euro kam. Das Fintech-Startup selbst wurde zuletzt mit 3,1 Milliarden Euro (3,5 Milliarden US-Dollar) bewertet, ist aber nicht börsennotiert.
Series D auf 470 Millionen Dollar erweitert
Der Bewertungssprung stammt aus dem Juli 2019: N26 kündigte am 18. Juli 2019 an, die Series-D-Finanzierungsrunde um 170 Millionen US-Dollar auf insgesamt 470 Millionen Dollar erweitert zu haben. Damit war das Unternehmen nach eigenen Angaben das höchstbewertete deutsche Startup und zählte zu den zehn wertvollsten Fintechs weltweit. Bis dahin hatte N26 Finanzierungen mit einem Volumen von mehr als 670 Millionen US-Dollar eingesammelt. An der Extension beteiligten sich ausschließlich Bestandsinvestoren der Series-D-Runde vom Januar 2019, darunter Insight Venture Partners, der singapurische Staatsfonds GIC, Tencent, Allianz X, Peter Thiels Valar Ventures, Earlybird Venture Capital und Greyhound Capital. Tencent sichert sich seit Jahren Beteiligungen weit über den Spielesektor hinaus.
Die frischen Mittel sollten die Expansion in Europa, den USA und Brasilien beschleunigen. Das Unternehmen nannte zur Bekanntgabe mehr als 3,5 Millionen Kunden in Europa, 16 Millionen Transaktionen pro Monat und einen Personalzuwachs innerhalb von zwölf Monaten auf mehr als 1.300 Beschäftigte an den Standorten Berlin, New York, Barcelona, Wien und São Paulo. Wenige Tage zuvor hatte N26 seine App in den USA gestartet, dem ersten Markt außerhalb Europas. Geplante Produktthemen waren der Relaunch des Premiumangebots N26 You und die zusammengelegten Unterkonten Shared Spaces für bis zu zehn Nutzer.
Vorbilder aus der deutschen Startup-Finanzierung
Solche Bewertungssprünge waren 2019 auch in der Games- und Tech-Szene keine Seltenheit. Epic Games wurde nach dem Fortnite-Erfolg bereits mit 8 Milliarden US-Dollar bewertet, Discord holte 150 Millionen US-Dollar in einer neuen Finanzierungsrunde, und Fluffy Fairy Games wandelte sich vom Berliner Startup zum unabhängigen Tycoon-Studio. Hauer sah N26 trotz der wachsenden Bewertung nicht am Ende der Fahnenstange: Ein Börsengang sei frühestens in drei bis vier Jahren ein Thema, sagte er dem Tagesspiegel. N26 war 2013 von Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründet worden, startete 2015 in Deutschland und Österreich und besitzt eine europäische Banklizenz ohne eigenes Filialnetz.
Die Vergleichszahl an der Börse
Die Deutsche Bank war im Sommer 2019 dagegen vom Absturz gebeutelt: eine Serie aus Stellenabbau, Quartalsverlusten und Kursrückgang drückten den Börsenwert zeitweise in die Nähe von 13 bis 15 Milliarden Euro. Der Abstand zwischen dem notierten Branchenprimus und dem unbörsennotierten Herausforderer war damit auf dem Papier deutlich kleiner geworden als je zuvor, auch wenn eine Bewertung aus Finanzierungsrunden nur bedingt mit einem Börsenwert vergleichbar ist.

