Xbox erweitert sein Cloud-Gaming-Angebot um eine lange erwartete Funktion: Game-Pass-Ultimate-Mitglieder können ausgewählte Spiele streamen, die sie außerhalb des Abonnements gekauft haben. Microsoft hat die Funktion als Beta unter dem Namen Stream Your Own Game gestartet. Zum Auftakt stehen über 50 Titel zum Streamen bereit, darunter Cyberpunk 2077, Assassin’s Creed Mirage und Baldur’s Gate 3. Das Angebot gilt in allen 28 Ländern, in denen Xbox Cloud Gaming (Beta) angeboten wird.
Eigene Bibliothek auf Mobilgeräten und im Browser
Bislang beschränkte sich Xbox Cloud Gaming weitgehend auf den Katalog des Game Pass. Mit der Beta löst Microsoft diese Bindung teilweise auf und erlaubt das Streamen einzelner Titel, die jemand separat erworben hat. Der Zugriff erfolgt zunächst über Fernseher sowie über den Browser auf unterstützten Geräten wie Smartphones, PCs und Tablets. So lassen sich die Spiele auch auf iPhone und Android-Geräten abrufen, ohne dass eine native App im jeweiligen Store erforderlich ist. Voraussetzung bleibt eine aktive Mitgliedschaft bei Xbox Game Pass Ultimate. Innerhalb der Oberfläche kennzeichnet die Markierung Stream your own game jene Titel, die sich sofort spielen lassen, sowie weitere, die nach einem Kauf streambar werden.
Die anfängliche Auswahl von über 50 Spielen umfasst neben den genannten Titeln unter anderem The Witcher 3: Wild Hunt, Hogwarts Legacy und Star Wars Outlaws. Einzelne Publisher können Titel aus Lizenzgründen zurückhalten, weshalb nicht jedes gekaufte Spiel sofort verfügbar ist. Microsoft kündigte an, die Funktion im Folgejahr auf Xbox-Konsolen und die Xbox-App unter Windows auszuweiten.
Project Lapland und das Geschäftsmodell hinter dem Streaming
Die Beta ist Teil einer länger angelegten Initiative, die intern als Project Lapland geführt wird. Ziel ist es, das streambare Angebot über die ersten rund 50 Titel hinaus schrittweise auf tausende Xbox-Spiele auszudehnen, sodass perspektivisch ganze Bibliotheken abgedeckt sind. Für das Geschäftsmodell zählt die Trennung von Abonnement und Einzelkauf. Cloud-Streaming wird damit nicht mehr allein als Zugang zum Game-Pass-Katalog positioniert, sondern auch als Plattform für bereits erworbenen Besitz. Wie sehr Microsoft die Cloud zum Dreh- und Angelpunkt seiner Pläne macht, zeigte sich zuletzt auch in den jüngsten Geschäftszahlen zur Xbox-Sparte.
Da der Zugriff auf Mobilgeräten über den Browser läuft, umgeht Microsoft die Restriktionen der App-Stores und erreicht iPhone- und Android-Nutzer direkt. Gaming-Smartphones mit leistungsfähigen Displays und niedriger Eingabelatenz rücken damit als bevorzugte Streaming-Clients in den Fokus, weil die Rechenlast in der Cloud liegt und das Endgerät vor allem Bild, Ton und Eingaben verarbeitet. Im mobilen Markt ist dieser Browser-Weg ein zentraler Hebel für Microsoft. Welche strategische Bedeutung das Streaming insgesamt hat, deuten auch die Berichte über eine mögliche neue Struktur für die Xbox-Gaming-Sparte an.
