Das Classification Review Board der australischen Einstufungsbehörde hat We Happy Few am 3. Juli 2018 nach erneuter Prüfung mit R 18+ eingestuft. Ein dreikoepfiges Gremium hob damit die frühere Entscheidung des Classification Board auf, das den Titel mit der Kennzeichnung Refused Classification faktisch vom australischen Markt ausgeschlossen hatte. Das Review Board sprach sich einstimmig für die höchste Altersfreigabe des Landes aus und versah das Spiel mit dem Hinweis ‚Fantasy violence and interactive drug use‘. Beim Adventure handelt es sich um ein Werk, das schon vor der Prüfung für Diskussionen sorgte, vergleichbar mit der Aufmerksamkeit, die später auch ein populaerer Streamer aus der Szene erhielt.
Den Ausgangspunkt bildete eine Entscheidung des Classification Board vom 21. Mai 2018. Das Board hatte den Titel des Entwicklers Compulsion Games als Refused Classification klassifiziert. Im Mittelpunkt stand dabei die Drogenmechanik des Spiels, deren Einsatz den Fortschritt erleichtert. Diese Belohnung für Drogenkonsum wertete das Board als Verstoß gegen die Einstufungsrichtlinien. Eine Klassifizierung als Refused Classification kommt in Australien einem Verkaufsverbot gleich, weil Titel ohne gueltige Einstufung dort nicht legal vertrieben werden duerfen.
Warum das Review Board die Drogenmechanik anders bewertete
Das Review Board wurde auf Antrag des ursprünglichen Antragstellers Gearbox Publishing, LLC tätig. In seiner Begründung kam das Gremium zu einer anderen Einschätzung der strittigen Spielelemente. Die interaktive Darstellung von Drogenkonsum sei zwar von hohem Wirkungsgrad, überschreite das für R 18+ zulässige Mass aber nicht. Der National Classification Code und die Classification Guidelines erlauben auf der Stufe R 18+ eine Behandlung von Drogenkonsum bis einschließlich des Grades high. In genau diesem Rahmen sah das Gremium die Mechanik.
Wichtig dabei: Inhaltliche Anpassungen am Spiel waren nicht nötig. Compulsion Games musste den Titel weder modifizieren noch zensieren, um die R-18+-Einstufung zu erhalten. Die unveränderte Fassung erfüllt nach Auffassung des Review Board die Kriterien der höchsten regulären Altersfreigabe. Der Unterschied zur ersten Entscheidung lag also nicht in einer veränderten Spielfassung, sondern in der Auslegung. Die Frage war, ob die Drogenmechanik einen Anreiz beziehungsweise eine Belohnung darstellt oder im Rahmen einer zulässigen Darstellung bleibt.
Was der Fall für Studios und Verlage bedeutet
Der Fall zeigt, welches Gewicht das mehrstufige australische Prüfverfahren hat. Eine ablehnende Erstentscheidung des Classification Board ist nicht das letzte Wort, sondern kann durch das unabhängige Review Board überprüft werden. Dass beide Gremien identische Inhalte unterschiedlich bewerteten, sagt einiges über den Ermessensspielraum bei der Auslegung der Richtlinien zu Drogendarstellungen. Mit der R-18+-Einstufung war der Vertrieb von We Happy Few in Australien für die Plattformen PC, PlayStation 4 und Xbox One wieder möglich.