Snap hat am 10. Juni 2025 auf der Augmented World Expo in Long Beach seine erste für Verbraucher gedachte AR-Brille vorgestellt. Das Gerät trägt den Namen Snap Specs und soll im Jahr 2026 auf den Markt kommen. Anders als frühere Prototypen des Unternehmens richtet sich die Brille nicht mehr an Entwickler und Partner, sondern an ein breites Publikum.
Optisch setzt Snap auf ein deutlich schlankeres Gehäuse als bei den bisherigen Modellen der Reihe. Die Gläser sind durchsichtig, sodass die Brille im Alltag eher wie ein normales Sehhilfe-Modell wirkt als wie ein klassisches Head-up-Display. Bedient wird das Gerät über Handgesten, insbesondere über eine Pinch-Geste zwischen Daumen und Zeigefinger, mit der sich Menüs und Funktionen steuern lassen.
Eigenständiges Betriebssystem mit mehreren KI-Anbietern
Die Snap Specs laufen auf dem hauseigenen SnapOS und benötigen laut Hersteller keine dauerhafte Verbindung zu einem Smartphone, können bei Bedarf aber trotzdem mit einem Mobilgerät gekoppelt werden, etwa um Telefonfunktionen zu nutzen. Für Entwickler stellt Snap unter anderem eine Depth Module API, eine API zur automatischen Spracherkennung sowie die Snap3D API bereit, mit der sich dreidimensionale Objekte erzeugen lassen.
Bei den KI-Funktionen setzt Snap nicht auf ein einzelnes Modell, sondern kombiniert Angebote mehrerer Anbieter, darunter OpenAI, Google und Deepseek. Zu den angekündigten Funktionen zählen eine Echtzeitübersetzung für mehr als 40 Sprachen sowie räumliche Intelligenz, mit der die Brille ihre Umgebung erfassen und digitale Inhalte darin platzieren kann.
Erste Anwendungen von Entwicklern bereits verfügbar
Obwohl die Brille selbst erst 2026 erscheinen soll, existieren bereits erste Anwendungen von externen Entwicklern. Dazu zählen Super Travel, eine Übersetzungshilfe für Schilder und Speisekarten im Ausland, Paradiddle für das Erlernen von Schlagzeugtechniken sowie Cookmate, das anhand vorhandener Zutaten passende Rezepte vorschlägt. Diese Beispiele sollen zeigen, wofür sich die Kombination aus Kamera, Sensorik und KI im Alltag eignen soll.
Snap-Chef Evan Spiegel bezeichnete die Brille als „den fortschrittlichsten persönlichen Computer“ und betonte die Verzahnung digitaler Inhalte mit der physischen Umgebung als zentrales Versprechen des Produkts. Konkrete Preisangaben machte Snap zum Zeitpunkt der Ankündigung nicht.
Mit dem Schritt reiht sich Snap in ein Feld ein, in dem bereits Meta und andere Hersteller an massentauglichen Datenbrillen arbeiten. Ob die Snap Specs den Sprung vom Nischenprodukt für Entwickler zum Alltagsgerät schaffen, wird sich frühestens mit dem Marktstart 2026 zeigen.
