Sea of Stars startet zeitgleich im Xbox Game Pass und in PlayStation Plus

Das in Qübec City ansässige Sabotage Studio hat sein rundenbasiertes Rollenspiel Sea of Stars am 29. August 2023 weltweit veröffentlicht und dabei einen Vorgang vollzogen, den es in dieser Form zuvor nicht gegeben hat: Der Titel war ab dem Erscheinungstag im Xbox Game Pass und im PC Game Pass enthalten und zugleich Teil des Spielekatalogs von PlayStation Plus. Ein Spiel erschien damit erstmals am selben Tag in den konkurrierenden Abo-Diensten von Microsoft und Sony.

Die Day-One-Aufnahme in den Game Pass kommunizierte Sabotage Studio im Rahmen der Xbox-Präsentation im Juni 2023. Die parallele Aufnahme in den PlayStation-Plus-Katalog bestätigte das Studio Ende Juli 2023. Sea of Stars erschien zum Preis von 34,99 US-Dollar auf PC, Nintendo Switch, PlayStation und Xbox. Den Soundtrack steuerten Eric W. Brown sowie Yasunori Mitsuda bei, der unter anderem für die Musik von Chrono Trigger bekannt ist. Das Spiel ist als Vorgeschichte zum 2018 veröffentlichten The Messenger angelegt, dem ersten Titel des Studios, das den ID@Xbox-Förderpfad für unabhängige Entwickler nutzte.

Doppelte Abo-Präsenz als Reichweitenhebel

Für ein Independent-Studio bedeutet die gleichzeitige Aufnahme in beide großen Abo-Kataloge eine Reichweite, die über den klassischen Verkaufsweg kaum zu erzielen ist. Game Pass und PlayStation Plus stellen den Titel jeweils einem großen Bestand zahlender Abonnenten ohne zusätzliche Kaufentscheidung bereit. Üblich war bis dahin, dass Abo-Anbieter zeitliche Exklusivität für Day-One-Aufnahmen einforderten, um sich gegenüber dem Wettbewerb abzugrenzen. Sea of Stars durchbrach dieses Muster und war in beiden Diensten zugleich verfügbar, ohne dass eine Plattform eine exklusive Fensterstellung beanspruchte.

Bemerkenswert ist, dass die breite Abo-Verfügbarkeit den parallelen Verkauf nicht ersetzte. Sabotage Studio meldete starke Absatzzahlen bereits am Erscheinungstag, obwohl der Titel zeitgleich in zwei Katalogen kostenfrei spielbar war. Abo-Präsenz und Kaufverkauf stehen für ein Indie-Produkt also nicht zwingend in Konkurrenz, sondern können sich ergänzen, sofern die Sichtbarkeit über mehrere Kanäle zugleich aufgebaut wird.

Vom ID@Xbox-Debüt zur plattformübergreifenden Verwertung

Der Weg von Sabotage Studio verlief von einem Einzeltitel hin zu einer breit angelegten Mehrkanal-Verwertung. The Messenger erschien 2018 über das ID@Xbox-Programm, das unabhängigen Entwicklern den Selbstvertrieb auf Xbox-Plattformen ermöglicht. Auf dieser Grundlage entwickelte das Studio Sea of Stars als technisch und erzählerisch umfangreicheres Rollenspiel, dessen Finanzierung unter anderem über eine Crowdfunding-Kampagne erfolgte. Aus einer einzelnen Plattform-Anbindung wurde so eine simultane Verfügbarkeit über PC, mehrere Konsolen und beide großen Abo-Dienste. Dass auch heute noch kleine Teams am Markt bestehen, zeigt, wie viel Spielraum solche Wege eröffnen.

Die simultane Multi-Abo-Strategie zeigt, dass kleinere Studios Verhandlungsspielraum gegenüber den Plattformbetreibern besitzen können, wenn ein Titel hohe Erwartungen weckt. Statt sich an einen Anbieter zu binden, sicherte sich Sabotage Studio eine gleichzeitige Präsenz in den Ökosystemen beider Hersteller. Der Vorgang gilt seither als Referenzfall für die Frage, ob Day-One-Aufnahmen in Abo-Dienste exklusiv bleiben müssen oder ob Mehrfachverwertung zur Option für Independent-Titel wird.

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