Kulturgut Games: Forscher fordern digitale Infrastruktur für Archive

Der Arbeitskreis Geisteswissenschaften und Digitale Spiele fordert in einem Offenen Brief politische Maßnahmen zum Erhalt des digitalen Games-Erbes. Die Initiative warnt davor, dass physische Medien, technische Infrastruktur und der Zugang zu Spielen für Forschung und Bildung dauerhaft verschwinden.

Im Fokus steht die wachsende Abhängigkeit vom digitalen Vertrieb. Wenn Spiele nur noch über Plattformen angeboten werden, entscheiden Publisher und Betreiber allein über Verfügbarkeit, Wartung und Zugriff. Bei Online-Titeln verschärft sich das Problem, weil Serverbetrieb und Authentifizierung zusätzlich vom Anbieter abhängen.

Drei Forderungen für die Spieleforschung

Der Arbeitskreis verlangt eine digitale Infrastruktur für die wissenschaftliche Archivierung, die unabhängig von einzelnen Publishern, Studios und Plattformen betrieben werden kann. Außerdem sollen Hersteller der Spielwissenschaft künftig ein Pflichtexemplar zur Verfügung stellen. Als dritter Punkt wird eine Ergänzung des Urheberrechts genannt, damit legale Sicherungs- und Privatkopien für wissenschaftliche Zwecke möglich werden.

Archivprojekte stehen unter Finanzierungsdruck

Die Forderungen treffen auf eine angespannte Lage bei bestehenden Einrichtungen. Die Internationale Computerspielesammlung wird nach dem Ende der öffentlichen Förderung nicht wie geplant fortgeführt. Damit ist auch bei einem Bestand von rund 60.000 Spielen offen, wie Datenbank, Datenträger und ergänzende Hardware dauerhaft zugänglich bleiben.

Der Brief stellt Games zugleich als Wirtschaftsfaktor und als kulturelles Quellenmaterial dar. Für die Forschung reicht es nicht, dass neue Produktionen entstehen. Benötigt werden auch rechtliche und technische Bedingungen, unter denen ältere Spiele untersucht, dokumentiert und in ihrem ursprünglichen Nutzungskontext erhalten werden können.

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