Microsoft hat am 22. Oktober 2014 die finale Version des Kinect for Windows SDK 2.0 veröffentlicht und damit einen Punkt erreicht, auf den Entwickler seit der Public Preview im Juni gewartet hatten. Das Kit steht kostenlos zum Download bereit. Für kommerzielle Anwendungen fallen keine Laufzeit-Lizenzgebühren an. Im Zentrum steht eine Änderung im Vertriebsmodell: Erstmals lassen sich mit dem SDK gebaute Kinect-Apps kommerziell über den Windows Store verbreiten. Bis dahin blieben Anwendungen auf eigene Distributionswege beschränkt, der Store war für sensorgestützte Apps geschlossen.
Gegenüber der Vorschauversion zählt Microsoft mehr als 200 Verbesserungen. Die Arbeiten betrafen unter anderem den Visual Gesture Builder, Kinect Studio und Kinect Fusion. Kinect Studio dient zum Aufzeichnen, Abspielen und Untersuchen von Sensordaten, womit sich Entwicklungs- und Testzyklen ohne dauerhaft angeschlossene Hardware durchlaufen lassen. Kinect Fusion rekonstruiert aus den Tiefendaten dreidimensionale Modelle von Objekten und Räumen, was für 3D-Scanning und industrielle Anwendungen relevant ist. Der Visual Gesture Builder erlaubt das Trainieren eigener Gesten über aufgezeichnete Beispieldaten statt über handgeschriebene Erkennungslogik.
Was die Store-Freigabe für Indie- und Enterprise-Entwickler änderte
Die Öffnung des Windows Store senkte die Hürde für Studios und einzelne Entwickler, die Gestensteuerung, Körper-Tracking und Objekterkennung in Produkte einbauen wollten. Statt eigener Installer und Vertriebskanäle stand ein etablierter Distributionsweg mit Bezahlabwicklung und Update-Mechanik bereit. Dass der Sensor diesen offiziellen Weg überhaupt bekam, war keine Selbstverständlichkeit, denn um die Zukunft von Kinect kreisten zu der Zeit ohnehin kritische Stimmen aus der Community. Microsoft führte zum Start mehrere Anwendungen als Beispiele an, darunter Kinect Evolution als Lernwerkzeug für Entwickler, die Animationssoftware YAKiT und 3D Builder für das Scannen und Drucken dreidimensionaler Objekte. Für Unternehmenskunden, die Kinect in Schulungs-, Einzelhandels- oder Medizinszenarien einsetzten, vereinfachte der Store-Weg die Auslieferung an Windows-8-Geräte.
Adapter-Kit bringt den Xbox-One-Sensor an den PC
Parallel zum SDK brachte Microsoft das Kinect Adapter Kit für 49,99 US-Dollar auf den Markt. Damit lässt sich der Kinect-Sensor der Xbox One über einen USB-3.0-Anschluss an PCs und Tablets mit Windows 8.0 und 8.1 betreiben. Laut Microsoft arbeiten alle Kinect-v2-Sensoren mit dem Adapter identisch, sodass die Kombination aus Xbox-One-Sensor und Adapter funktional dem separat verkauften Kinect for Windows v2 entspricht. Das Adapter-Kit wurde in 41 Ländern und Regionen ausgerollt. Durch diese Preisgleichheit konnten Entwickler auf die bereits weit verbreitete Xbox-One-Hardware zurückgreifen, statt einen dedizierten Windows-Sensor anzuschaffen. Der Bewegungssensor reiht sich damit in eine lange Linie von Xbox-Peripheriegeräten ein, die im Lauf der Konsolengenerationen den Sprung auf den PC schafften.
