Discord schaltet Livestreams in Brasilien nach Todesfall ab

Discord hat am 17. August 2026 seine Livestreams in Brasilien abgeschaltet. Die Maßnahme folgt einer Anordnung der brasilianischen Datenschutzbehörde und steht im Zusammenhang mit der Debatte über den Schutz von Minderjährigen auf der Plattform.

Im Juli war ein 13-jähriges Mädchen im Bundesstaat Mato Grosso do Sul nach Angaben der Behörden mutmaßlich von anderen Nutzern zu einer Selbsttötung gedrängt worden. Fünf Jugendliche wurden laut dem brasilianischen Justizministerium festgenommen. Discord bestreitet, dass der Tod selbst live auf der Plattform übertragen wurde, und erklärt, ein privater Server mit mutmaßlich kriminellen Aktivitäten sei bereits vorher geschlossen worden.

Brasilien fordert stärkere Schutzmaßnahmen

Die Datenschutzbehörde begründet ihre Entscheidung mit wiederholter Nutzung von Livestreams für Gewalt, Belästigung sowie die Anstiftung zu Selbstverletzung und Suizid. Discord teilte mit, mit den brasilianischen Behörden an einer Lösung zu arbeiten, damit die Funktionen wieder angeboten werden können. Nach Angaben von Safernet Brasil stieg die Zahl der Beschwerden über Discord zwischen Januar und Juli im Jahresvergleich um 54 Prozent.

Altersprüfung bleibt ein weiterer Streitpunkt

Brasilien verlangt von digitalen Diensten inzwischen zusätzliche Schutzmaßnahmen für Minderjährige. Konten von unter 16-Jährigen sollen mit einer erziehungsberechtigten Person verknüpft werden, außerdem ist eine wirksame Altersprüfung vorgesehen. Discord hatte eine geplante Altersverifizierung nach Kritik zunächst verschoben und später Maßnahmen zur Einhaltung der neuen Regeln angekündigt. Der frühere Bericht zur verschobenen weltweiten Altersverifizierung von Discord dokumentiert diesen Konflikt.

Discord erklärt, eigene Teams für Sicherheit und Moderation einzusetzen, um gewalttätige Gruppen zu stören, regelwidrige Inhalte zu entfernen und gegen einzelne Nutzer vorzugehen. Kritiker der Abschaltung befürchten dagegen, dass problematische Gruppen auf andere Plattformen ausweichen könnten, ohne dass der Schutz Minderjähriger dadurch verbessert wird.

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