Laut einem Bericht von Windows Central soll Microsoft innerhalb der Xbox-Sparte zunehmend mit einem Margenproblem konfrontiert sein. Im Zentrum stehen demnach mehrere Faktoren: schwächere Ergebnisse einzelner Xbox-Studios, schwierige Integrationen, hohe Hardwarekosten, der Druck auf das Game-Pass-Modell und die Rolle von Activision-Blizzard als Ergebnisträger innerhalb des Geschäftsbereichs.
Windows-Central-Autor Jez Corden berichtet unter Berufung auf eigene Informationen, dass erfolgreiche Bereiche der Xbox-Sparte andere Geschäftsbereiche mitgetragen hätten. Dazu sollen auch die Erträge von Activision-Blizzard gehört haben. Die Übernahme des Publishers und insbesondere die Marke Call of Duty seien demnach nicht nur strategisch für Reichweite, Plattformbindung und Inhalte relevant gewesen, sondern auch als finanzieller Ausgleich innerhalb der Xbox-Struktur.
Game Pass und Call of Duty als Belastung für das Modell
Nach Darstellung von Windows Central habe Microsoft darauf gesetzt, Call of Duty im Xbox Game Pass stärker als Wachstumstreiber zu nutzen. Die Aufnahme der Reihe in den Abo-Dienst soll jedoch nicht den gewünschten Effekt gehabt haben. Corden schreibt, dass Call of Duty im Game Pass beide Seiten belastet habe: Einerseits seien Verkäufe des Vollpreistitels teilweise durch das Abo-Angebot ersetzt worden, andererseits habe eine Preiserhöhung auf 30 US-Dollar den Game Pass selbst unter Druck gesetzt.
Laut dem Bericht habe Microsoft den Preis später wieder senken müssen. Dadurch sei ein Jahr oder mehr an Wachstum verloren gegangen. Besonders problematisch sei die Situation geworden, weil Call of Duty ein schwächeres Jahr gehabt habe. Damit sei auch ein Teil der Erträge weggefallen, mit denen Xbox andere Bereiche der Sparte ausgleichen konnte.
Schwächere Studio-Ergebnisse und hohe Entwicklungskosten
Windows Central verweist außerdem auf mehrere Projekte von Xbox Game Studios, die dem Bericht zufolge nicht die internen Erwartungen erfüllt hätten. Genannt werden unter anderem Avowed, South of Midnight, Hellblade 2, Forza Motorsport und The Outer Worlds 2. Auch eingestellte Projekte wie Perfect Dark, Everwild oder ZeniMax’ „Blackbird“ hätten erhebliche Investitionen gebunden.
Dem gegenüber stünden weiterhin erfolgreiche Marken wie Age of Empires, Flight Simulator, Forza Horizon, Sea of Thieves, Grounded und Oblivion Remastered. Der Bericht beschreibt die Xbox-Sparte jedoch als ein System, in dem Gewinne aus starken Projekten und Geschäftsbereichen durch schwächere Ergebnisse an anderer Stelle aufgezehrt worden seien.
Für die Entwicklungsseite ist dabei vor allem die Frage relevant, wie Microsoft künftig mit mittelgroßen Produktionen und langlaufenden Projekten umgehen wird. Laut Windows Central soll Xbox stärker auf größere Marken und wiederkehrende Kern-Franchises setzen. Das würde zu einer Strategie passen, bei der Ressourcen stärker auf Titel mit hoher Sichtbarkeit, klarer Monetarisierung und längerfristiger Bindung konzentriert werden.
Hardwaregeschäft zusätzlich unter Druck
Neben Software und Abomodell nennt der Bericht auch das Hardwaregeschäft als Belastungsfaktor. Laut Windows Central soll Xbox derzeit bei verkauften Xbox-Series-Konsolen nicht nur geringe, sondern teils hohe Verluste pro Gerät hinnehmen müssen. Als Grund werden unter anderem stark gestiegene Speicherpreise genannt. Xbox-Chefin Asha Sharma habe demnach darauf verwiesen, dass Großhandelspreise für Speicher seit der Kalkulation von Xbox Series X|S um 700 Prozent gestiegen seien.
Damit werde auch das bisherige Zusammenspiel aus Konsole, Game Pass und First-Party-Inhalten schwieriger. Wenn weniger Hardware wirtschaftlich sinnvoll ausgeliefert werden kann, fällt zugleich ein klassischer Einstiegspunkt für neue Game-Pass-Abonnenten schwächer aus. Der Bericht beschreibt damit ein Modell, das gleichzeitig von höheren Kosten, geringerer Hardwaredynamik und Druck auf das Abo-Geschäft betroffen ist.
Mögliche Folgen für Xbox
Windows Central spekuliert auf Basis der eigenen Informationen über mögliche Maßnahmen. Dazu könnten angepasste Game-Pass-Stufen, ein selektiverer Umgang mit besonders teuren First-Party-Titeln im Abo, stärker lizenzierte Hardwaremodelle über OEM-Partner sowie eine stärkere Konzentration auf große Marken gehören. Auch mögliche Studioveränderungen oder weitere Projektstreichungen werden im Bericht nicht ausgeschlossen.
Offiziell bestätigt sind diese Maßnahmen nicht. Microsoft hat die im Bericht beschriebenen internen Zusammenhänge bislang nicht in dieser Form öffentlich kommentiert. Der Artikel zeigt aber, wie eng Xbox inzwischen Hardware, Game Pass, First-Party-Entwicklung und Activision-Blizzard-Erträge miteinander verzahnt hat. Sollte die Darstellung zutreffen, wäre die Activision-Blizzard-Übernahme nicht nur ein Content- und Plattformdeal gewesen, sondern auch ein Instrument zur finanziellen Stabilisierung der Xbox-Sparte.
