Die BBC hat am 6. September 2019 eine branchenübergreifende Zusammenarbeit gegen Desinformation angekündigt. Zusammen mit großen Medienhäusern und Technologiekonzernen will die öffentlich-rechtliche Anstalt ein Frühwarnsystem für Falschnachrichten aufbauen, wie in der offiziellen Mitteilung der BBC nachzulesen ist. Zu den Partnern gehören Google, Facebook, Microsoft und Twitter sowie Reuters, die Financial Times, das Wall Street Journal, Agence France-Presse, The Hindu, CBC/Radio-Canada und die European Broadcasting Union.
Kern der Initiative ist ein Warnsystem, mit dem sich die Organisationen gegenseitig schnell informieren, wenn ihnen Desinformationen auffallen, die Menschenleben gefährden oder Wahlen beeinflussen können. Gedacht ist es insbesondere für den Einsatz vor und während politisch bedeutsamer Wahlen. Hinzu kommen eine gemeinsame Online-Kampagne zur Medienerziehung, abgestimmte Bürgerinformationen zur Wahlbeteiligung und ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch der Partner, vor allem rund um hochprofilige Wahlen.
Aus dem Trusted News Summit hervorgegangen
Die Pläne gehen auf den Trusted News Summit zurück, den die BBC im Juni 2019 ausrichtete und an dem Führungskräfte globaler Technologieunternehmen und Verlage teilnahmen. Generaldirektor Tony Hall sprach von einem Bedrohungspotenzial für die Demokratie und sogar für Menschenleben und wertete die Vereinbarung als entscheidende Schritte im gemeinsamen Kampf gegen Desinformation. Weitere Details wollte die BBC zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.
Die Ankündigung reiht sich in die Auseinandersetzung um die Verantwortung großer Plattformen ein: Kritiker warfen den Tech-Konzernen lange vor, zu wenig gegen die Verbreitung gefälschter Meldungen zu tun, von Impfmythen bis zu fabrizierten Wahlgeschichten. Für Entwickler und Produktteams in Medien und Tech ergeben sich daraus neue Anforderungen an Verifizierungswerkzeuge, Redaktions-Workflows und automatisierte Erkennung. Die BBC selbst experimentierte bereits 2017 mit interaktiven Formaten für Sprachassistenten.
Auch im Spieleumfeld ist das Thema nicht neu: Forschende der University of Cambridge veröffentlichten 2018 mit Bad News ein Browsergame, das Spielenden die Mechanismen von Desinformation beibringt, indem sie selbst ein Publikum mit irreführenden Nachrichten aufbauen.

