Billy Khan, damals Lead Engine Programmer bei id Software, bezeichnete Global Illumination im Interview vom 27. April 2017 als zentrale offene Aufgabe der Spielegrafik. Das Gespräch auf dem Tech Summit von Golem.de behandelte die Laufzeitumgebung id Tech 6, Vulkan und die Hardwareanforderungen moderner Renderpipelines.
Khan beschrieb den PC mit Vulkan als Ausgangspunkt für den Quellcode. Von dort aus sei der Weg zu hardwarenahen Konsolen kurz. Das Team testete Änderungen mit allen Plattformen, statt eine einzelne Lead-Plattform festzulegen. Vulkan erleichtere laut Khan außerdem die Unterstützung von Linux und Android und gebe Entwicklern einen direkten Einblick in die Ausführung des Codes auf der Hardware.
Vulkan als Entwicklungspfad für mehrere Plattformen
Die Grafik-API sollte bei id Software nicht nur zusätzliche Bildrate liefern. Sie strukturierte auch den Zugriff auf die Rendering-Pipeline und verringerte die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller. Die Freischaltung von Vulkan für DOOM hatte im Vorjahr bereits gezeigt, wie der Renderpfad in ein veröffentlichtes Spiel überführt wurde.
Mehr CPU-Kerne für Rendering und Spielelogik
Die Rendering-Pipelines von id Tech 6 waren parallel aufgebaut. Khan wünschte sich zusätzlich eine stärkere Verteilung des eigentlichen Spiels auf mehrere CPU-Kerne, weil steigende Kernzahlen die sinkenden Taktraten ausgleichen sollten. Bei DOOM reduzierte id Software den CPU-Overhead des Renderings, damit mehr Prozessorzeit für die Spieleberechnung verfügbar blieb.
HDR und reaktive Animationen
Als weitere offene Baustelle nannte Khan HDR-Beleuchtung. Die Entwicklungspipelines arbeiteten zu diesem Zeitpunkt noch mit Low-Dynamic-Range-Texturen, während HDR größere Datenmengen bis hin zu 14 Bit statt 8 Bit pro Kanal erforderte. Beim Gore-System von DOOM verband id Software Animationen, Partikel und Ragdoll-Physik, damit Trefferreaktionen ohne sichtbare Verzögerung zusammenspielen.
Das zugehörige Video-Interview stammt vom Tech Summit im Umfeld der Entwicklerkonferenz Quo Vadis 2017.

