Die Rolle von Influencern auf der gamescom wird seit Jahren diskutiert. Auch 2026 prallen dabei zwei Sichtweisen aufeinander: Creator bringen Reichweite, eigene Communities und zusätzliche Formate nach Köln, zugleich wächst die Sorge, dass die Spiele und die Teams dahinter in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig Raum erhalten. Die aktuelle Debatte fasst ein Bericht über Gespräche mit mehreren Agenturverantwortlichen zusammen.
Die Diskussion ist nicht neu. Bereits 2023 kritisierte Gronkh die Entwicklung der Messe und forderte einen stärkeren Fokus auf Spiele sowie die Entwicklerbranche. 2026 wird der Gegensatz erneut sichtbar, allerdings unter anderen Bedingungen: Viele Creator produzieren ihre Formate lieber aus dem eigenen Studio, während andere für Shows, Autogrammstunden oder Gespräche mit Ausstellern vor Ort bleiben.
Von der Fortnite-Bühne zu getrennten Formaten
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie stark sich die Rolle verändert hat. Große Bühnenauftritte und Livestreams konnten früher unmittelbar hohe Besucherströme auslösen. Nach besonders dichtem Andrang wurden Sicherheitskonzepte, abgegrenzte Flächen und Abläufe für Creator angepasst. Die gamescom stellt damit nicht grundsätzlich weniger Influencer ein, sondern verteilt ihre Auftritte stärker auf kontrollierte Bereiche und planbare Formate.
Der offizielle Creator-Arbeitsplatz auf der gamescom steht beispielhaft für diese Entwicklung. Streaming ist inzwischen ein eigener Produktionszweig innerhalb der Messe. Das Angebot ergänzt die Hallen, ersetzt sie aber nicht. Genau diese Trennung ist wichtig, wenn digitale Reichweite und das Erlebnis vor Ort gleichzeitig funktionieren sollen.
Reichweite hilft, verändert aber die Wahrnehmung
Agenturen bewerten Creator als zusätzlichen Zugang zu den Communities. Ein Stream kann eine Messe auch für Menschen erlebbar machen, die nicht nach Köln reisen. Gleichzeitig prägt der jeweilige Social-Media-Feed, was von der Messe sichtbar wird. Wer vor allem Creator-Inhalte sieht, kann den Eindruck gewinnen, die gamescom bestehe überwiegend aus Meet and Greets und Bühnenformaten. Wer sich in den Hallen auf Spiele, Hardware oder Fachgespräche konzentriert, erlebt einen anderen Ausschnitt.
Die Frage lautet deshalb weniger, ob Influencer zur gamescom gehören. Sie gehören längst zur Vermarktung und zur Medienproduktion der Branche. Entscheidend bleibt, ob Spiele, Entwickler, Publisher und Creator ausreichend getrennte Flächen und Aufmerksamkeit erhalten. Die Veranstaltung muss Reichweite ermöglichen, ohne den eigentlichen Gegenstand der Messe aus dem Blick zu verlieren.

