Im Verfahren Wolfire Games gegen Valve hat US-Bundesrichter Jamal N. Whitehead am U.S. District Court for the Western District of Washington am 25. November 2024 eine Sammelklage von rund 32.000 Entwicklern zertifiziert. Die Klage richtet sich gegen die Provisions- und Preisbindungspraxis des Steam-Betreibers Valve. Mit der Zulassung als Class Action wird aus einem einzelnen Rechtsstreit ein Verfahren von erheblicher Tragweite für das Distributionsmodell auf dem PC.
Kern der Vorwürfe ist die als Platform Most-Favored-Nations (PMFN) bezeichnete Klausel. Nach Darstellung der Kläger verpflichtet diese Entwickler dazu, ihre Titel auf anderen Plattformen nicht günstiger und nicht mit besserer Ausstattung anzubieten als auf Steam. Damit sei es konkurrierenden Stores faktisch verwehrt, niedrigere Endpreise an Verbraucher weiterzugeben. Die Kläger werten dies als Verstoß gegen die Abschnitte 1 und 2 des Sherman Act sowie gegen den Washington Consumer Protection Act. Die Klausel zementiere so die Standardprovision von 30 Prozent auf Steam-Verkäufe und schirme Valve gegen Preiswettbewerb ab.
Was die Zertifizierung der Klasse bedeutet
Mit der Entscheidung erkannte das Gericht an, dass die Voraussetzungen nach Rule 23 der Federal Rules of Civil Procedure erfüllt sind. Richter Whitehead ließ die Sachverständigengutachten der Kläger zu und folgte deren Einschätzung, dass sich die PMFN-Praxis und ihre wettbewerblichen Effekte über gemeinsame Beweismittel belegen lassen, darunter Vertragsbedingungen, interne Kommunikation und das Branchenverständnis. Über die materielle Begründetheit der kartellrechtlichen Ansprüche ist damit noch nicht entschieden. Zur Klasse zählen Entwickler, Publisher und Personen, die ab dem 28. Januar 2017 eine Provision an Valve im Zusammenhang mit einem Spielverkauf gezahlt haben. Schon zuvor waren im Zuge dieses Rechtsstreits Details zu Valves Struktur und Mitarbeiterzahlen öffentlich geworden.
Tragweite für das PC-Distributionsmodell
Die Bündelung von rund 32.000 Betroffenen erhöht das wirtschaftliche Gewicht des Verfahrens erheblich, da sich potenzielle Schadensersatzansprüche nun kollektiv geltend machen lassen. Eine Niederlage Valves könnte die Durchsetzbarkeit von Plattform-MFN-Klauseln im PC-Vertrieb grundsätzlich in Frage stellen und konkurrierenden Stores mehr Spielraum für niedrigere Provisionen und abweichende Preise verschaffen. Die Standardprovision von 30 Prozent steht bei Steam seit Jahren in der Diskussion und dient zugleich als Bezugspunkt für die Konditionen anderer Anbieter im Markt. Wie das Verfahren weitergeht, dürfte daher weit über den Einzelfall hinaus verfolgt werden.
Die Angaben basieren auf der offiziellen Quelle.
