Mit dem Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024 (DMCC Act) sind am 1. Januar 2025 neue Schwellenwerte für die britische Fusionskontrolle in Kraft getreten. Über Schedule 4 schreibt das Gesetz die Zuständigkeitsregeln des Enterprise Act 2002 um und gibt der Competition and Markets Authority (CMA) mehr Prüfkompetenz an die Hand. Der Gaming-Sektor kauft viel zusammen: Studios, Tool-Anbieter, Plattformdienste. Genau deshalb trifft ihn die Reform direkt. Sie hebt die Aufgreifschwellen an und schafft zugleich einen zusätzlichen Prüfpfad für marktstarke Erwerber.
Angehobene Umsatzschwelle und neue Bagatellgrenze
Der zentrale Umsatztest für eine Prüfung durch die CMA klettert von 70 auf 100 Millionen Pfund Inlandsumsatz des Zielunternehmens. Im Kern gleicht diese Anhebung die Inflation seit Einführung des bisherigen Regimes aus, und sie senkt die Zahl der rein umsatzbasiert aufgegriffenen Transaktionen. Daneben gibt es jetzt eine Bagatellgrenze. Erzielt jedes beteiligte Unternehmen einen britischen Umsatz von höchstens 10 Millionen Pfund, fällt der Zusammenschluss komplett aus der Fusionskontrolle heraus. Eine Prüfung kommt also erst dann in Betracht, wenn mindestens eine der Parteien mehr als 10 Millionen Pfund Inlandsumsatz macht.
Wann große Erwerber künftig in den Fokus rutschen
Zum klassischen Umsatztest kommt ein zweiter Prüfpfad, der auf den Erwerber zugeschnitten ist. Die CMA kann eine Transaktion mit britischem Bezug aufgreifen, wenn eine Partei zugleich mindestens 33 Prozent an der Lieferung von Waren oder Dienstleistungen im Vereinigten Königreich hält und dort mehr als 350 Millionen Pfund Umsatz macht, während die andere Partei einen UK-Nexus aufweist. Dieser Nexus besteht, sobald das Unternehmen im Vereinigten Königreich registriert ist, dort tätig ist oder britische Kunden mit Waren oder Dienstleistungen beliefert. Gedacht ist der Pfad für Fälle, in denen ein ohnehin marktstarker Akteur einen kleineren Wettbewerber schluckt. Auch Erwerbe ohne horizontale Überschneidung beim Zielunternehmen lassen sich so erfassen.
Was die Reform für Studio-Deals heisst
Die neuen Schwellenwerte greifen bei Transaktionen, die bis zum 31. Dezember 2024 weder abgeschlossen waren noch für die die CMA eine Untersuchung eröffnet hatte. Laufende Verfahren richten sich weiter nach dem alten Regime. Anpassen lassen sich die genannten Beträge künftig per Verordnung, dazu räumt der DMCC Act dem zuständigen Staatssekretaer eine Befugnis ein. Für das Gaming-Umfeld ergibt sich eine doppelte Verschiebung. Kleine Studio-Übernahmen unterhalb der Bagatellgrenze fallen weg, und große Plattform- und Publisher-Konzerne können über den erwerberbezogenen Schwellenwert selbst dann in den Anwendungsbereich der CMA geraten, wenn sie nur einen kleinen Anbieter kaufen.