Die Ubisoft-Aktie ist am 22. Januar 2026 nach der Ankündigung einer umfassenden Konzernneuausrichtung deutlich gefallen. Auslöser war eine am Vorabend veröffentlichte Mitteilung des französischen Publishers, in der Ubisoft eine neue Unternehmensstruktur, weitere Kostensenkungen, Projektstreichungen und eine deutlich reduzierte Finanzprognose angekündigt hatte.
Nach Angaben des Unternehmens soll die Organisation künftig um fünf sogenannte Creative Houses herum aufgebaut werden. Diese Einheiten sollen Entwicklung, Markenführung, Content-Strategie und Go-to-Market-Funktionen stärker bündeln. Ubisoft will damit Entscheidungswege verkürzen und die wirtschaftliche Verantwortung näher an die einzelnen Marken und Genres verlagern. Der operative Start des neuen Modells ist für Anfang April vorgesehen.
Sechs Spiele eingestellt, sieben weitere verschoben
Im Zuge der Portfolio-Überprüfung stellt Ubisoft sechs Spiele ein. Namentlich genannt wird das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time. Hinzu kommen vier unangekündigte Titel, darunter drei neue Marken, sowie ein Mobile-Projekt. Sieben weitere Spiele erhalten zusätzliche Entwicklungszeit. Ein bislang nicht angekündigter Titel, der ursprünglich für das laufende Geschäftsjahr vorgesehen war, wurde auf das Geschäftsjahr 2026/27 verschoben.
Die neue Struktur ordnet Ubisofts Marken künftig stärker nach Genre- und Zielgruppenclustern. Vantage Studios soll unter anderem Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six betreuen. Weitere Creative Houses bündeln Marken wie The Division, Ghost Recon, Splinter Cell, For Honor, The Crew, Skull & Bones, Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia, Beyond Good & Evil, Just Dance und mehrere Casual- sowie Mobile-Marken. Zusätzlich verweist Ubisoft auf vier neue IPs in Entwicklung, darunter March of Giants.
Abschreibungen und gesenkte Prognose belasten die Aktie
Die Kapitalmarktreaktion fiel entsprechend deutlich aus. Ubisoft rechnet für das Geschäftsjahr 2025/26 nun mit Net Bookings von rund 1,5 Milliarden Euro. Das Non-IFRS-EBIT wird mit rund minus 1 Milliarde Euro erwartet. Der Free Cashflow soll zwischen minus 400 und minus 500 Millionen Euro liegen. Als wesentlicher Faktor wird eine einmalige beschleunigte Abschreibung von rund 650 Millionen Euro genannt, die unter anderem auf die eingestellten Projekte und geänderte Erwartungen bei verschobenen Titeln zurückgeht.
Gleichzeitig zieht Ubisoft die bisherige Prognose für FY2026/27 zurück und will im Mai 2026 eine aktualisierte Einschätzung vorlegen. Für Investoren bedeutet das eine Phase geringerer Planbarkeit, da sich sowohl Release-Kalender als auch Kostenstruktur und Markenverantwortung neu sortieren.
Weitere Einschnitte bei Studios und Kostenbasis
Der Umbau betrifft auch die internationale Studio-Struktur. Ubisoft nennt die Schließung des Mobile-Studios in Halifax sowie des Standorts Stockholm. Weitere Restrukturierungen betreffen Abu Dhabi, RedLynx und Massive. Parallel verschärft der Konzern sein Sparprogramm. Die ursprünglich anvisierten Fixkosteneinsparungen von mindestens 100 Millionen Euro sollen bis März 2026 erreicht werden. Darüber hinaus ist eine weitere Reduzierung um 200 Millionen Euro über zwei Jahre geplant. Insgesamt soll die Fixkostenbasis seit FY2022/23 um rund 500 Millionen Euro sinken.
Die Entwicklung zeigt, dass Ubisoft nicht nur einzelne Projekte bereinigt, sondern sein Betriebsmodell grundlegend umbaut. Für die Branche ist vor allem die Kombination aus steigenden AAA-Produktionskosten, stärkerem Wettbewerb im Live-Service- und Shooter-Segment sowie der schwierigen Skalierung großer Marken relevant. Ubisoft selbst verweist auf einen selektiveren AAA-Markt und höhere Anforderungen an Qualität, Reichweite und Kapitaldisziplin.
