Twitch hat seine erst am 6. Juni 2023 vorgestellten Branded-Content-Richtlinien nach massivem Widerstand der Streamer-Community am 7. Juni 2023 vollständig zurückgezogen. Die Plattform erklärte öffentlich, die Vorgaben seien schlecht für die Creator und für Twitch selbst, und entfernte sie mit sofortiger Wirkung. In Kraft treten sollten die Regeln eigentlich zum 1. Juli 2023.
Der zurückgezogene Entwurf sah vor, eingebrannte Werbung in Form von Video-Spots, Audio-Einspielungen und Display-Anzeigen direkt im Stream zu untersagen. Dauerhaft eingeblendete Sponsoren-Logos hätten zudem maximal drei Prozent der Bildfläche einnehmen dürfen. Damit wäre die gängige Praxis vieler Streamer betroffen gewesen, Sponsoring-Inhalte direkt in die Übertragung zu integrieren, etwa über Banner oder fest eingeblendete Markenzeichen.
Konflikt um die Einnahmeverteilung
Im Kern des Streits steht die Verteilung der Werbeeinnahmen. Bei den über die Plattform vermittelten Einnahmen behält Twitch standardmäßig einen Anteil von 50 Prozent ein. An direkt zwischen Streamern und Marken geschlossenen Sponsoring-Verträgen partizipiert das Unternehmen dagegen nicht. Genau diese Direktvereinbarungen wären durch die geplanten Beschränkungen entwertet worden, da die werblichen Inhalte nicht mehr in der bisherigen Form hätten dargestellt werden dürfen.
Reichweitenstarke Creator deuteten die Maßnahme als Versuch, die unabhängigen Einnahmequellen der Streamer einzuschränken. Teile der Community brachten öffentlich einen Boykott der Plattform ins Spiel. Innerhalb eines Tages entfaltete der Widerstand Wirkung und zwang Twitch zur Kehrtwende. Wie eng die Beziehung zwischen Plattform und ihren Creatorn inzwischen ist, zeigt auch der Costreamer-Aufruf zur Future Games Show, bei dem Streamer offiziell in große Showcases eingebunden werden.
Twitch sichert Kontrolle über Sponsoring zu
In seiner Stellungnahme erklärte Twitch, Sponsorings seien für Wachstum und Einkommen der Streamer entscheidend. Die Möglichkeit, direkte Beziehungen zu Sponsoren einzugehen, werde nicht beschnitten. Die Streamer behielten Eigentum und Kontrolle über ihr Sponsoring-Geschäft. Den Abschnitt zur Markendarstellung entfernte das Unternehmen aus den Richtlinien.
Der Vorgang zeigt das Kräfteverhältnis zwischen Plattform und Creator-Ökonomie. Eine Plattform, deren Wert wesentlich von den Inhalten ihrer unabhängigen Produzenten abhängt, kann Eingriffe in deren Einnahmemodelle nur begrenzt durchsetzen, wenn die betroffene Community geschlossen reagiert. Dass Twitch weiter an seinem Verhältnis zu den Creatorn arbeitet, belegen jüngere Schritte wie das parallele Streaming im Hoch- und Querformat.
Die Angaben basieren auf der offiziellen Originalquelle.
