Der chinesische Technologiekonzern Tencent hat am 19. Juli 2021 die vollständige Übernahme der britischen Sumo Group angekündigt. Das Angebot läuft über die indirekte Tochtergesellschaft Sixjoy Hong Kong Limited und sieht 513 Pence in bar je Aktie vor. Damit bewertet Tencent das gesamte ausgegebene und auszugebende Aktienkapital des Entwicklers auf einer voll verwässerten Basis mit rund 919 Millionen Pfund. Der gebotene Preis entspricht einer Prämie von rund 43,3 Prozent auf den Schlusskurs von 358 Pence am 16. Juli 2021, dem letzten Handelstag vor der Bekanntgabe.
Die Sumo Group mit Sitz in Sheffield gehört zu den größten unabhängigen Entwicklungs- und Co-Development-Dienstleistern Großbritanniens. Zum Portfolio zählen Arbeiten an „Sackboy: A Big Adventure“ für Sony sowie Beiträge zur „Sonic“-Reihe von Sega. Tencent hielt vor dem Angebot bereits eine Minderheitsbeteiligung an Sumo. Der Vorstand des Entwicklers stuft die Transaktion als im Interesse aller Beteiligten ein und sprach eine einstimmige Empfehlung an die Aktionäre aus. Über das Geschäft, das als Scheme of Arrangement nach englischem Recht strukturiert ist, stimmten die Anteilseigner auf den Gerichts- und Hauptversammlungen am 10. September 2021 ab.
Tencents Einkaufstour in Westeuropa
Mit Sumo erweitert Tencent seinen direkten Zugriff auf westeuropäische Entwicklungskapazitäten. Der Konzern hatte zuvor bereits Beteiligungen an Studios wie Supercell in Finnland, Sharkmob in Schweden und an mehreren weiteren europäischen Teams aufgebaut. Die Komplettübernahme eines börsennotierten britischen Entwicklers geht über die bisher üblichen Minderheitsbeteiligungen hinaus. Sumo beschäftigte zum Zeitpunkt des Angebots mehr als 1.200 Mitarbeiter an Standorten in Großbritannien, Indien, Kanada und Polen.
Geopolitische Prüfung folgt
Die Transaktion zeigt, wie stark sich Mergers and Acquisitions im Games-Sektor inzwischen mit Fragen nationaler Sicherheit verschränken. Wegen Sumos US-Präsenz nahm das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) den Erwerb durch den chinesischen Käufer unter die Lupe. Solche Prüfverfahren waren bei reinen Spieleentwicklern lange unüblich, rücken durch chinesische Investoren in westliche Technologie- und Datenunternehmen aber zunehmend in den Fokus. Der Abschluss verzögerte sich dadurch über die ursprünglich erwartete Frist hinaus.