Telekom/EY-Studie: Bei Haushalten mit hohem Bedarf reicht Vectoring nicht mehr

Die Deutsche Telekom hat gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) erstmals öffentlich eingeräumt, dass die Vectoring-Technik den künftigen Bandbreitenbedarf vieler Haushalte nicht mehr decken kann. Das geht aus einer am 6. Januar 2025 vorgestellten gemeinsamen Studie beider Unternehmen hervor, wonach Nutzerinnen und Nutzer mit hohem Bedarf schon jetzt an die Grenzen von Super Vectoring stoßen.

Laut der Studie verdoppelt sich die Nachfrage nach Downloadbandbreite im Schnitt alle drei Jahre. Bei Haushalten mit hohem Bedarf reichen die bislang üblichen 250 MBit/s künftig nicht mehr aus, die Schwelle sei laut den Studienautoren bereits überschritten. Bei durchschnittlichem Bedarf soll Super Vectoring noch vier bis fünf Jahre ausreichen, bei geringem Bedarf acht bis zehn Jahre. Insgesamt rechnet die Telekom damit, dass ein Großteil der Kundschaft in acht bis zehn Jahren auf leistungsfähigere Anschlüsse angewiesen sein wird.

Kupfer stößt an physikalische Grenzen

Vectoring nutzt die vorhandenen Kupferleitungen des Telefonnetzes und filtert per Signalverarbeitung gegenseitige Störungen zwischen benachbarten Leitungen heraus, um höhere Bandbreiten zu ermöglichen. Die Technik war über Jahre die zentrale Brückentechnologie der Telekom, um Glasfaser-Ausbaukosten zu strecken und trotzdem steigende Bandbreiten anzubieten. Physikalisch bleibt Kupfer aber begrenzt, je länger die Leitung vom Verteiler bis zum Haushalt, desto stärker sinkt die erreichbare Geschwindigkeit. Reine Glasfaseranschlüsse kennen dieses Problem praktisch nicht.

Konsequenzen für den Netzausbau

Die Studie liefert der Telekom damit ein offizielles Argument für einen beschleunigten Glasfaserausbau, nachdem der Konzern jahrelang auch auf die Kupfer-Zwischenlösung gesetzt hatte. Für Kundinnen und Kunden mit besonders hohem Bandbreitenbedarf, etwa durch Homeoffice, Cloud-Gaming oder Streaming in mehreren Haushaltsgeräten gleichzeitig, dürfte der Umstieg auf Glasfaser damit dringlicher werden als bislang kommuniziert. Bereits 2020 hatte die Telekom mit MagentaGaming ein eigenes Cloud-Gaming-Angebot gestartet, das auf leistungsfähige Breitbandanschlüsse angewiesen ist und von einer schnelleren Glasfaserversorgung profitieren würde.

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