Studie: 87 Prozent aller vor 2010 erschienenen Spiele sind nicht legal verfügbar

Die Video Game History Foundation hat gemeinsam mit dem Software Preservation Network eine Untersuchung zur Verfügbarkeit historischer Videospiele veröffentlicht und am 10. Juli 2023 die Ergebnisse vorgelegt. Demnach sind 87 Prozent der in den USA vor 2010 erschienenen Spiele kommerziell nicht mehr erhältlich und gelten als kritisch gefährdet. Nur 13 Prozent der zwischen 1960 und 2009 veröffentlichten Titel sind im aktuellen Markt in irgendeiner Form verfügbar. Die Studie mit dem Titel „Survey of the Video Game Reissue Market in the United States“ stammt von Phil Salvador, Library Director der Stiftung.

Methodik und Datengrundlage

Für die Erhebung zog das Team eine Zufallsstichprobe von 1.500 Spielen aus der Datenbank MobyGames und prüfte deren kommerzielle Verfügbarkeit. Die Untersuchung weist eine Fehlermarge von ±2,5 Prozent bei einem Konfidenzintervall von 95 Prozent aus. Als verfügbar wurden ausschließlich Titel gewertet, die über offizielle Vertriebswege legal erworben werden können. Re-Releases, Abwärtskompatibilität und digitale Storefronts flossen damit in die Bewertung ein, während Sammlermärkte für gebrauchte Datenträger ausgeklammert blieben. Das Ergebnis verteilt sich nach Angaben der Stiftung über sämtliche im Datensatz erfassten Plattformen und Zeiträume.

Damit liegt erstmals eine quantitative Grundlage für eine Debatte vor, die zuvor überwiegend mit Schätzungen geführt wurde. Bibliotheken und Archive, die historische Spiele bewahren wollen, bewegen sich rechtlich in einem engen Rahmen. Wer einen nicht mehr vertriebenen Titel spielen möchte, hat laut den Autoren faktisch drei Optionen: das Aufspüren alter Datenträger und passender Hardware, den Besuch einer der wenigen physischen Sammlungen vor Ort oder den Rückgriff auf nicht autorisierte Kopien. Wie schnell ganze Kataloge verschwinden können, hatte zuvor schon die Schließung des Xbox 360 Marktplatz gezeigt.

Bezug zur Urheberrechtsdebatte

Die Veröffentlichung zielt auf das anstehende Rulemaking-Verfahren nach Titel 17, Abschnitt 1201 des Digital Millennium Copyright Act, das für 2024 angesetzt war. Die Video Game History Foundation und das Software Preservation Network argumentieren, dass die Branche selbst nur 13 Prozent ihrer Geschichte zugänglich gemacht hat. Damit stellen sie die Position der Entertainment Software Association infrage, die kommerzielle Wiederveröffentlichungen als ausreichende Bewahrung der Spielegeschichte betrachtet. Die Studienautoren fordern erweiterte Ausnahmeregelungen, die Bibliotheken und Archiven einen Zugang zu nicht mehr vertriebenen Spielen ermöglichen, vergleichbar mit den bereits bestehenden Regelungen für Bücher, Film und Tonaufnahmen.

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