SOGG-Kampagne: Lootboxen bereiten Kinder laut Gründern auf Glücksspiel vor

Anfang September 2019 startete die britische Organisation Safer Online Gambling Group (SOGG) eine Kampagne gegen Lootboxen in Computerspielen. Die Gruppe vertritt die These, dass zufallsbasierte Truhen mit Echtgeldeinsatz Kinder an Glücksspiel gewöhnen und den späteren Einstieg in Wetten und Online-Casinos begünstigen.

SOGG wurde Anfang 2019 von Adam Bradford und seinem Vater David gegründet. David Bradford war 2014 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er 53.000 Pfund von seinem Arbeitgeber gestohlen hatte, um eine lange geheim gehaltene Online-Glücksspielsucht zu finanzieren. Nach der Verurteilung begann die Familie öffentlich über die Sucht als psychologische Erkrankung zu sprechen. Heute arbeiten Vater und Sohn gemeinsam in der Organisation.

Befragung von 500 Jugendlichen und ihren Eltern

Für ihre Erhebung befragte die Gruppe 500 überwiegend spielende Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren sowie deren Eltern. Dabei gaben die Familien an, dass beim Spielen auf Tablet oder Smartphone Werbung für Online-Wetten erschien. Die Hälfte der Jugendlichen hatte kürzlich eine Lootbox geöffnet und gab im Schnitt 543 Pfund pro Jahr für In-Game-Käufe aus. Ein 16-Jähriger habe innerhalb von drei Monaten 2.000 Pfund ausgegeben. Gestützt auf eine Studie der Gambling Commission, wonach ein Drittel der 11- bis 16-Jährigen Lootboxen kauft, schätzte SOGG die jährlichen Ausgaben von Kindern und Jugendlichen im Games-Bereich auf rund 250 Millionen Pfund.

Forderungen: Käufe aus, Altersprüfung, offene Wahrscheinlichkeiten

SOGG verlangt, In-Game-Käufe in Spielen standardmäßig zu deaktivieren und sie erst nach einer Altersprüfung für Volljährige freizuschalten. Zudem sollen die Wahrscheinlichkeiten der Inhalte bereits vor dem Kauf einer Lootbox offenliegen. Die Forderungen richten sich an Plattformen, Herausgeber und die Politik. Das britische Digital, Culture, Media and Sport Committee untersuchte zu diesem Zeitpunkt bereits die Verbindungen zwischen Computerspielen und Glücksspiel und diskutierte eine strengere Aufsicht über Ausgaben in Spielen.

Die Debatte begleitet die Branche seit Längerem. Britische Glücksspielbehörden hatten bereits vor Lootboxen und Skin-Wetten gewarnt, und Electronic Arts verteidigte Lootboxen Mitte 2019 als Überraschungsmechaniken. Die Familie Bradford arbeitete 2019 parallel mit den Wettanbietern Ladbrokes und Coral an einem digitalen Therapie-Tool.

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