Qualcomm bringt Flaggschiff-Gaming mit Snapdragon 8s Gen 3 in die Mittelklasse

Qualcomm hat am 18. März 2024 mit der Snapdragon 8s Gen 3 Mobile Platform einen neuen Chip vorgestellt, der bislang dem Flaggschiff vorbehaltene Gaming-Funktionen in eine darunterliegende Preisklasse verlagert. Zentrales technisches Merkmal ist die Integration von echtzeitfähigem, hardwarebeschleunigtem Raytracing über die Adreno-GPU. Damit erhält die Adreno-Architektur samt der Snapdragon-Elite-Gaming-Funktionen erstmals breiteren Zugang zu Geräten unterhalb des Premium-Segments. Erste Smartphones der Hersteller Honor, iQOO, realme, Redmi und Xiaomi waren laut Qualcomm noch im März 2024 zu erwarten.

Der in 4-nm-Fertigung produzierte Chip kombiniert Kryo-Kerne mit bis zu 3 GHz Taktrate und die Adreno-GPU mit Unterstützung für Vulkan 1.3, OpenGL ES 3.2 und OpenCL 2.0 FP. Für die Spiele-Performance relevant sind zwei Komponenten der Snapdragon-Elite-Gaming-Funktionen: das hardwarebeschleunigte Raytracing für Beleuchtung, Schatten und Reflexionen sowie die Adreno Frame Motion Engine 2.0, die die Bildrate von 60 auf 120 FPS verdoppeln soll, ohne den Akkuverbrauch entsprechend zu erhöhen. Beide Verfahren waren zuvor an die Flaggschiffplattform Snapdragon 8 Gen 3 gebunden. Dass Qualcomm seine Ambitionen im Spielebereich ernst nimmt, zeigte sich später auch an anderer Stelle: eine Jobanzeige deutete eine ARM-Basis für die nächste Xbox-Generation an.

Adreno-Raytracing als Hebel für die Spieleentwicklung

Hardwareseitiges Raytracing in der Mittelklasse verändert die Kalkulationsgrundlage für Studios, die auf mobile Plattformen entwickeln. Solange entsprechende Beschleunigung nur im teuersten Marktsegment verfügbar war, blieb die installierte Basis für aufwendige Lichtberechnung gering. Der Anreiz, Spiele konsequent darauf auszulegen, fiel damit klein aus. Mit der Ausweitung der Adreno-GPU und der zugehörigen Raytracing-Pipeline auf Geräte von Honor, iQOO, realme, Redmi und Xiaomi vergrößert sich die adressierbare Gerätemenge. Für Entwickler reduziert sich der Aufwand, getrennte Grafikpfade für Premium- und Mittelklassegeräte zu pflegen, da die zugrunde liegende API-Unterstützung über Vulkan vergleichbar bleibt. Wie weit echtzeitfähige Lichtberechnung inzwischen reicht, war zuletzt etwa bei NVIDIAs Neural-Rendering- und RTX-Updates auf der GDC 2025 zu sehen.

Neben der Grafik adressiert die Plattform On-Device-KI über den Hexagon-Prozessor mit Scalar-, Tensor- und Vector-eXtensions-Einheiten. Qualcomm gibt eine lokale Ausführung generativer Modelle mit bis zu zehn Milliarden Parametern an und nennt Kompatibilität zu Modellen wie Llama 2, Gemini Nano, Baichuan-7B und Zhipu ChatGLM. Diese Rechenkapazität ist nicht allein für Assistenzfunktionen relevant, sondern auch für KI-gestützte Verfahren innerhalb von Spielen, etwa zur Bilderzeugung oder zur Steuerung von Spielinhalten auf dem Gerät.

Marktstrategie und Hersteller-Portfolio

Die Snapdragon 8s Gen 3 positioniert sich unterhalb der Snapdragon 8 Gen 3 und übernimmt mit reduzierter Ausstattung deren Funktionsmerkmale. Bei der Konnektivität integriert die Plattform das Snapdragon X70 5G Modem-RF-System mit bis zu 6,5 Gbps im Download sowie FastConnect 7800 mit Wi-Fi 7 und bis zu 5,8 Gbps. Auf der Kameraseite kommt der Spectra 18-bit Triple Cognitive ISP mit Funktionen wie Photo Expansion und Low Light Vision zum Einsatz.

Chris Patrick, Senior Vice President und General Manager Mobile Handsets bei Qualcomm, bezeichnete die Plattform als jüngsten Zugang zur Premium-Serie, der auf erweiterte Nutzererfahrung sowie Kreativität und Produktivität ausgerichtet sei. Der gleichzeitige Marktstart bei fünf Herstellern folgt einer Strategie der schnellen Verbreitung. Statt eines exklusiven Premium-Launches steht die Skalierung in mittlere Preislagen im Vordergrund. Für das Mobile-Gaming wächst die Zielgruppe, die Adreno-Raytracing und damit anspruchsvolle Spiele technisch ausführen kann.

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