Project Scarlett: The Coalition bestätigt dedizierte Raytracing-Hardware

Colin Penty, technischer Artdirektor bei The Coalition, hat in einem GameSpot-Interview vom 10. September 2019 erstmals konkret Bestätigung gegeben, dass Project Scarlett über dedizierte Raytracing-Hardware verfügen wird. Penty wurde nach den Möglichkeiten der kommenden Xbox-Konsole für Gears 5 befragt und antwortete: „We don’t have anything to announce right now in terms of Gears with the new hardware – but I’m definitely super excited about what the new hardware could do. Having dedicated ray tracing hardware is huge.“

Die Aussage ist technisch bedeutsam: Dedizierte Raytracing-Hardware meint eigene Recheneinheiten im Prozessor, die ausschließlich Raytracing-Berechnungen übernehmen, anstatt diese Last auf allgemeine Shader-Kerne abzuwälzen. Bei der offiziellen E3-2019-Ankündigung von Project Scarlett hatte Microsoft bereits hardware-beschleunigtes Raytracing in Echtzeit als Feature genannt. Pentrys Aussage konkretisiert das: Es handelt sich um einen angepassten AMD-Chip mit Zen-2-Prozessorkernen und RDNA-Grafikarchitektur, und darin sitzen dedizierte Einheiten für Raytracing.

Bei der Entwicklung von Gears 5 hatte The Coalition bereits Erfahrungen mit Raytracing gesammelt. In den großen Overworld-Levels des Spiels wurden Schatten in der Ferne per Echtzeit-Raytracing berechnet, da gespeicherte Shadow Maps für kilometerweite Sichtweiten nicht mehr praktikabel waren. Penty sprach außerdem von Unreal-Engine-Modifikationen für skalierbare Streaming-Systeme und dynamische Schatten-Kaskaden, die The Coalition in diesen offenen Abschnitten einsetzte. Das Studio hat damit eine direkte Entwicklerpersüpektive auf Raytracing als Echtzeittechnik, die über blendende Demo-Berechnungen hinausgeht. Andere Studios hatten zu diesem Zeitpunkt ähnliche Erwartungen: Laut einer früheren Einschätzung vom Juni 2019 hatte bereits ein weiterer Indie-Entwickler die Raytracing-Möglichkeiten von Scarlett und PS5 kommentiert.

Project Scarlett war für das Weihnachtsgeschäft 2020 angekündigt und sollte gemeinsam mit Halo Infinite erscheinen. Die Konsole wurde später als Xbox Series X präsentiert. AMD arbeitete zu diesem Zeitpunkt ebenfalls an hardwarebeschleunigtem Raytracing für die RDNA-Grafikarchitektur, die kurz darauf in den RX-5000-Grafikkarten debutiärte und für Series X und PS5 in weiterentwickelter Form eingesetzt wird.

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