Pico 4 Ultra: ByteDance kontert Quest 3 mit Snapdragon XR2 Gen 2 und 12 GB RAM

ByteDance bringt mit dem Pico 4 Ultra ein Standalone-Headset für Mixed Reality nach Europa, das technisch direkt gegen die Meta Quest 3 positioniert ist. Der Hersteller hat das Gerät am 3. September 2024 offiziell vorgestellt, mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 599 Euro und Verkaufsstart am 20. September 2024 in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Polen, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland. Vorbestellungen liefen ab dem 6. September über Händler wie Amazon, MediaMarkt und Otto.

Identische SoC-Basis, anderes Profil

Im Pico 4 Ultra arbeitet der Snapdragon XR2 Gen 2 von Qualcomm, also dieselbe SoC-Generation, die auch in der Meta Quest 3 steckt. ByteDance kombiniert die Plattform mit 12 GB Arbeitsspeicher und 256 GB internem Speicher und liegt beim RAM damit oberhalb der Quest 3, die mit 8 GB ausgeliefert wird. Für die Bildausgabe nennt Pico zwei Displays mit je 1920 mal 1920 Pixeln bei 90 Hz. Die Durchsicht in die reale Umgebung übernehmen zwei Farbkameras mit jeweils 32 Megapixeln sowie ein iToF-Sensor für die Tiefenerfassung. Genau diesen Sensor führt Pico als zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb an. Insgesamt verbaut der Hersteller sieben optische Sensoren.

Das Headset wiegt nach Herstellerangaben 580 Gramm, verteilt auf 304 Gramm an der Front und 276 Gramm am hinteren Polster. Zur Vorbestellung legte Pico die separat für 89 Euro erhältlichen Motion Tracker bei, die per Beinriemen ein Body-Tracking ermöglichen. Für PC-VR setzt Pico auf die hauseigene Lösung Pico Connect, deren Streaming-Latenz laut Hersteller in Verbindung mit einem Wi-Fi-7-Router um bis zu 30 Prozent sinken soll.

Fragmentierung des Standalone-Marktes

Für Studios, die Inhalte für eigenständige Mixed-Reality-Headsets entwickeln, verschiebt der europäische Marktstart des Pico 4 Ultra das Geräteumfeld. Mit der Quest-Reihe von Meta und nun einem zweiten Anbieter auf identischer Chip-Generation entsteht eine Plattformlandschaft, in der zwar die SoC-Basis vergleichbar bleibt, die Software-Ökosysteme, Stores und Tracking-Lösungen aber getrennt sind. Pico betreibt einen eigenen Store und eine eigene Entwicklerumgebung, sodass eine Portierung von Quest-Titeln nicht automatisch erfolgt, sondern Anpassungen an Eingabe, Passthrough-APIs und Vertriebsweg erfordert. Dass der Hersteller das Drumherum für Entwickler ernst nimmt, zeigt unter anderem sein Engagement im Blender Development Fund.

Die höhere Kamera-Auflösung beim Passthrough und der zusätzliche Tiefensensor adressieren Anwendungsfälle, in denen das reale Umfeld präzise erfasst werden muss. Ob sich daraus ein relevanter Anteil am westlichen Gaming-Markt ergibt, hängt weniger an der Hardware als an der Verfügbarkeit von Inhalten. Das Pico 4 Ultra zeigt jedenfalls, dass der Standalone-Sektor jenseits von Meta weitere Anbieter mit konkurrenzfähiger Technik hervorbringt. Bei Plattformentscheidungen müssen Entwickler diesen zweiten Pol künftig stärker abwägen.

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