Palinopsia Bug: VRAM kann frühere Bildschirminhalte offenlegen

Eine Dokumentation zum Palinopsia Bug zeigt, dass Bilddaten aus dem Grafikspeicher bestimmter Grafikkarten auch nach einem Neustart noch ausgelesen werden können. Das studentische Proof of Concept rekonstruiert frühere Framebuffer aus nicht initialisierten Texturpuffern und macht daraus teilweise lesbare Bildschirmbilder.

VRAM bleibt nach dem Neustart erhalten

Für das Experiment wurden vier Grafikkarten getestet: eine ATI Radeon HD3750, eine ATI Radeon HD4350 beziehungsweise HD4550, eine Nvidia NVS 5400M und eine Nvidia GeForce GT650M. Betroffen waren unter anderem der offene Radeon-Treiber für AMD und ATI, Nouveau für Nvidia sowie der proprietäre Nvidia-Treiber. Unter Windows wurde der Catalyst-Treiber von AMD geprüft. In drei der vier Testsysteme blieb der Inhalt des VRAM nach einem Neustart erhalten. Ein Test mit einer Intel HD4000 zeigte dieses Verhalten nicht.

Die Rekonstruktion erzeugt je nach Kombination aus GPU und Treiber fast vollständige Screenshots oder fragmentierte Bilder. Selbst unvollständige Frames können Text und Fensterinhalte enthalten. Für technische Arbeitsplätze mit vertraulichen Dokumenten ist das relevant, ebenso für die in einem Artikel zur Grafikspeicher-Ausstattung professioneller Workstations beschriebene Klasse von GPU-Systemen.

VirtualBox kann auf den Host zugreifen

Die Dokumentation beschreibt außerdem einen Versuch mit VirtualBox und aktivierter 3D-Beschleunigung. Ein Gastbetriebssystem konnte dabei Framebuffer des Host-Rechners anzeigen. Im Test tauchten unter anderem zuvor geöffnete Webseiten auf. Die Autoren warnen deshalb besonders vor virtuellen Maschinen, die Zugriff auf hardwarebeschleunigte Grafik erhalten.

Auch Spielebilder gehören zum möglichen Datenbestand. In der Galerie des Projekts sind rekonstruierte Frames aus Counter-Strike: Source zu sehen. Für Entwickler, QA-Teams und Content-Produzenten zeigt der Versuch, dass nicht nur Dokumente, sondern auch Arbeits- und Spieldaten im Grafikspeicher verbleiben können.

Vollständiges Ausschalten als Gegenmaßnahme

Die Autoren empfehlen, Rechner nach der Verarbeitung sensibler Daten vollständig auszuschalten, damit der Grafikspeicher von der Stromversorgung getrennt wird. Die Tests decken nur eine begrenzte Zahl von Karten und Treibern ab. Eine allgemeine Aussage über jede GPU lässt sich daraus nicht ableiten. Der Quellcode und die Messungen bleiben jedoch als nachvollziehbarer Ausgangspunkt für weitere Prüfungen verfügbar.

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