Mimimi Games: Johannes Roth spricht über Arbeitszeit und deutsche Spieleentwicklung

Im April 2021 sprach Mimimi-Gründer Johannes Roth in einem Interview vom 15. April 2021 über die Arbeitsweise des Münchner Studios. Anlass waren zwei Auszeichnungen beim Deutschen Computerspielpreis, darunter der Preis für das beste Spiel für Desperados III. Der Blick auf Arbeitszeit und Produktionsbedingungen macht das Gespräch auch für andere Entwicklerstudios interessant.

Arbeitszeit als Teil der Studioführung

Roth beschreibt Überstunden als Ausnahme, die Mimimi nach Möglichkeit vermeiden wollte. Der Anspruch des Studios bestand darin, die Qualität der Spiele mit den persönlichen Bedürfnissen der Beschäftigten zu verbinden. Aus Sicht des Gründers verbessert ausreichend freie Zeit für Hobbys und Privatleben auch die kreativen Voraussetzungen für die Entwicklung.

Damit positionierte sich Mimimi in einer Debatte, die die Branche seit Jahren begleitet. Gerade in der Endphase großer Produktionen gelten lange Arbeitszeiten häufig als Mittel, um Termine zu halten. Roth verwies dagegen auf die Gefahr, dass dauerhafte Belastung die Leistungsfähigkeit und die Bindung von Fachkräften schwächt.

Deutsche Studios im internationalen Wettbewerb

Im Gespräch ging es außerdem um den deutschen Games-Markt. Roth bezeichnete Deutschland als wichtigen Absatzmarkt, wies aber darauf hin, dass viele hier verkaufte Spiele aus dem Ausland stammen. Als strukturelle Nachteile nannte er die lange Zeit fehlende bundesweite Förderung und die frühere Konzentration auf deutschsprachige Zielgruppen. Die seit Ende 2020 gestartete Bundesförderung sollte diese Lücke verringern.

Für Desperados III erhielt Mimimi gemeinsam mit der Studioauszeichnung insgesamt 140.000 Euro Preisgeld. Roth ordnete das Spiel als Echtzeit-Taktiktitel ein, bei dem ein kleines Team gegen eine größere Zahl von Gegnern eingesetzt wird. Der Erfolg zeigt, dass ein klar abgegrenztes Genre auch für ein unabhängiges Studio eine internationale Perspektive eröffnen kann.

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