Magnetic Scrolls: Quellcode-Rettung von alten Magnetbändern

Hugh Steers meldete am 19. Juni 2017 die Rettung des ursprünglichen Magnetic-Scrolls-Quellcodes von alten TK50-Magnetbändern. Rob Jarratt las die Datenträger mit historischer DEC-Technik aus.

Der Wechsel vom TK50Z zum TZ30 und die Reinigung des Lesekopfs verbesserten die Ausbeute. Jarratts Video zur Entnahme des Bandes und Kopf-Reinigung dokumentiert den Eingriff.

Erwärmung half zunächst nur beim Lesen

Schon der Zwischenbericht vom 6. Juni beschrieb Versuche gegen klebrige und abreibende Bandbeschichtungen. Eine Erwärmung auf 45 Grad Celsius über acht Stunden ermöglichte erste Datei-Leseversuche. Diese Daten enthielten aber noch nicht den gesuchten Spielecode. Die Temperaturangabe beschreibt dieses Experiment und ist keine allgemeine Wiederherstellungsanleitung.

Der abschließende Bericht nennt 70 MB aus einem Band und 54 MB aus einem zweiten. Die benötigten Quelldateien waren auf beiden vorhanden und stimmten beim Vergleich überein. Steers konnte die alten Spiele nach eigener Aussage wieder aus dem Quellcode bauen.

Quelldateien, Werkzeuge und lauffähige Spiele sind verschiedene Bestände

Bereits im Bericht zum ersten Leseversuch vom 22. Mai hatte Steers zwischen den Magnetbändern und einer ZIP-Diskette mit Entwicklungswerkzeugen unterschieden. Die in C geschriebenen Werkzeuge seien für moderne Rechner angepasst worden. Ein vorhandener Werkzeugbestand ersetzte also nicht die noch fehlenden Spielquellen.

Für die Archivierung von Entwicklungsprojekten folgt daraus eine konkrete Prüffrage: Sind nur Dateien vorhanden, oder lässt sich daraus mit den erhaltenen Werkzeugen tatsächlich ein Programm erzeugen? Das ist eine redaktionelle Folgerung aus diesem Fall. Eine erfolgreiche Dateiwiederherstellung allein beweist weder Vollständigkeit aller historischen Unterlagen noch Rechte zur Weiterverbreitung.

Microsoft hatte kurz zuvor die Abwärtskompatibilität ausgewählter Original-Xbox-Spiele angekündigt. Dabei geht es um das Ausführen bestehender Spiele auf anderer Hardware. Die Wiedergewinnung von Quellcode und Entwicklungswerkzeugen betrifft dagegen den Produktionsbestand hinter einem Spiel.

Archivhinweis: Beschrieben ist die Datenrettung vom Juni 2017. Der Beitrag ist keine Anleitung zur Behandlung eigener Magnetbänder und keine Aussage zum heutigen Veröffentlichungsstand der geretteten Quellen.

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