Die Lokalisierungsqualität entscheidet mit darüber, ob ein Spiel weltweit verständlich bleibt und seine Atmosphäre behält. In einem Beitrag bei GamesIndustry.biz beschreibt Thomas Barth, Localisation-QA-Direktor bei Keywords Studios, sieben Ansätze für die Prüfung mehrsprachiger Spiele.
Lokalisierungs-QA beginnt mit dem Entwicklungsprozess
Die Prüfung sollte bereits beim Aufbau von Benutzeroberfläche, Menüs, HUD und Untertiteln berücksichtigt werden. Texte wachsen in manchen Sprachen deutlich stärker als im Englischen. Werden diese Unterschiede erst kurz vor dem Release entdeckt, müssen Layouts und Assets unter Zeitdruck angepasst werden. Barth empfiehlt deshalb einen dokumentierten Testplan und eine Vorprüfung mit einer pseudo-lokalisierten Version, bevor umfangreiche Sprachtests beginnen.
Regressionstests halten Fehler in Bewegung
Spiele verändern sich bis in die späten Produktionsphasen. Jede Korrektur kann neue Fehler in Text, Audio oder Oberfläche auslösen. Testfälle sollten deshalb klar abgegrenzte Bereiche wie ein Level oder eine Menüfolge abdecken. Mit definierten Pass- und Fail-Kriterien lässt sich nachvollziehen, welche Bereiche bereits geprüft wurden und wo nach einer Änderung ein Regressionstest notwendig ist.
Debug-Werkzeuge und Glossare sparen Zeit
Zugriff auf Debug-Funktionen verkürzt die Wege im Spiel. God Mode, Teleportation oder No-Clip helfen dem Testteam, bestimmte Szenen wiederholt und ohne lange Spielpassagen zu erreichen. Ein gemeinsames Glossar für Eigennamen, Waffen, Begriffe der Spielwelt und erfundene Sprachen verhindert außerdem, dass Übersetzungen innerhalb eines Projekts auseinanderlaufen.
Mehrsprachige Teams und enge Zusammenarbeit
Bei vielen Zielsprachen kann ein gemeinsamer Dienstleister die Abstimmung vereinfachen. Muttersprachliche Tester erkennen sprachliche und kulturelle Fehler direkt und können verwandte Probleme zusammenfassen. Besonders bei Spielen mit laufenden Inhalten müssen Lokalisierung, Entwicklung und QA ihre Ergebnisse austauschen, damit neue Updates auf vorhandenen Testfällen aufbauen können.
Tester brauchen klare Verantwortungsbereiche
Barth plädiert dafür, erfahrene muttersprachliche Tester stärker einzubinden. Offensichtliche Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler können sie direkt korrigieren, während komplexe Probleme als Tickets dokumentiert werden. So sinkt die Zahl kleiner Fehler in der Datenbank und das Übersetzungsteam kann sich auf inhaltlich schwierige Fälle konzentrieren. Die Grundidee gilt auch für Live-Service-Spiele, deren Sprachversionen mit jedem Update weiter wachsen.

