Kickstarter: Entwickler berichten über Geldmangel und Verzögerungen

Jeremy Miller von Dischan und At-the-Gates-Entwickler Jon Shafer haben in Interviews mit Golem über Geldmangel und Verzögerungen nach erfolgreichen Kickstarter-Kampagnen berichtet. Der Bericht erschien am 3. Juli 2019. Die Aussagen stammen aus diesen Gesprächen, nicht aus eigenen Interviews.

Dischan sammelte 2014 für Dysfunctional Systems 67.450 kanadische Dollar von 1.457 Unterstützern. Nach Gebühren standen laut Miller etwa 40.000 Euro zur Verfügung: genug für drei Monate angemessene Bezahlung von fünf Personen. Neun Monate nach der Finanzierung war das Geld aufgebraucht. Miller berichtet von Rückzahlungen im Umfang von zwölf Prozent der erhaltenen Summe, nicht zwölf Prozent der Unterstützer.

Dischans Dysfunctional Systems: Orientation erschien am 24. Juli 2017 als Prequel. Eine solche Veröffentlichung belegt nicht automatisch die Erfüllung sämtlicher Kampagnenzusagen.

At the Gates: Veröffentlichung nach jahrelanger Entwicklung

Shafer beschrieb lange Design-Iterationen und wachsende Abstände zwischen Projektmeldungen. Neben dem Kickstarter-Budget verbrauchte er nach eigener Aussage seine Altersvorsorge.

Das von Conifer Games entwickelte At the Gates erschien am 23. Januar 2019. Veröffentlichung, Zeitplan und wirtschaftlicher Erfolg sind unterschiedliche Kriterien. Ein veröffentlichtes Spiel ist damit noch kein Beleg für ein tragfähiges Entwicklungsbudget.

Die Neun-Prozent-Quote misst Gegenleistungen

Eine Studie von Ethan Mollick vom Dezember 2015 schätzte den Anteil nicht erfüllter Gegenleistungen auf rund neun Prozent. Sie umfasst mehrere Kickstarter-Kategorien, nicht nur Videospiele. 47.188 Unterstützer antworteten; für 30.323 Projekte lag mindestens eine Antwort vor. Als Ausfall wertete Mollick dauerhaft nicht erwartete oder vom Versprechen abweichende Gegenleistungen. Die Zahl misst weder die Qualität veröffentlichter Spiele noch unmittelbar den Anteil abgebrochener Entwicklungen.

Auch Kickstarter-Finanzierungszahlen für Videospiele erfassen zunächst das eingesammelte Kapital. Für die Produktionsplanung fehlen darin spätere Personalkosten, tatsächlich benötigte Entwicklungszeit und der Umfang noch offener Arbeiten.

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