Das Khronos Group hat am 3. Dezember 2024 auf der SIGGRAPH Asia in Tokio die Grafik-API Vulkan 1.4 veröffentlicht. Der zentrale Punkt der Version: Eine Reihe bislang optionaler Erweiterungen und Funktionen wandert in den Pflichtumfang. Damit können Entwickler von Spiele-Engines und plattformübergreifender Software auf Eigenschaften bauen, die zuvor je nach Treiber und Hardware vorhanden waren oder eben nicht.
Verpflichtend werden unter anderem Push Descriptors, Dynamic Rendering Local Reads, Scalar Block Layouts sowie die Maintenance-Erweiterungen bis einschließlich VK_KHR_maintenance6. Hinzu kommen angehobene Mindestgrenzen der Hardware. Künftig ist 8K-Rendering mit bis zu acht separaten Render Targets garantiert unterstützt. Neu sind außerdem Anforderungen an Streaming-Transfers: Vulkan 1.4 schreibt vor, dass portable, plattformübergreifende Anwendungen große Datenmengen auf ein Gerät übertragen und gleichzeitig mit voller Leistung rendern können.
Weniger Sonderfälle für Engines und Tooling
Für Hersteller plattformübergreifender Game-Engines verschiebt sich mit der neuen Pflichtbasis die Arbeit beim Capability-Handling. Bisher mussten Renderer zur Laufzeit prüfen, ob ein Treiber etwa Push Descriptors oder Scalar Block Layouts beherrscht, und für jeden Fall einen eigenen Pfad vorhalten. Indem Vulkan 1.4 diese Features zur Voraussetzung macht, fällt ein Teil dieser Fallunterscheidungen weg, sofern eine Engine 1.4 als Mindestziel setzt. So schrumpft der Code in Abstraktionsschichten, und die Zahl der Kombinationen, die Tooling-Hersteller und Treiber-Teams testen müssen, sinkt. Wie sehr eine moderne Renderpipeline davon profitiert, zeigte zuletzt auch die Vulkan-Integration in Blender 4.5 LTS.
Die neuen Streaming-Transfer-Anforderungen zielen auf einen konkreten Engpass moderner Spiele: Asset-Nachladen ohne sichtbare Einbrüche bei der Bildrate. Ist das Verhalten beim gleichzeitigen Übertragen und Rendern spezifiziert statt treiberabhängig, lässt sich entsprechendes Streaming einheitlicher umsetzen. Auch die garantierten acht Render Targets bei 8K betreffen direkt Deferred-Rendering-Verfahren mit umfangreichen G-Buffern, die zuvor nicht auf jeder konformen Implementierung verlässlich vorausgesetzt werden konnten. Engines wie die jüngst veröffentlichte Unity 6 setzen auf solche Grafikoptionen auf.
Konforme Treiber zum Start
Zum Veröffentlichungszeitpunkt lagen bereits Entwicklungstreiber vor, die die Konformitätstests für Vulkan 1.4 bestanden haben, und zwar von AMD, Arm, Imagination, Intel, NVIDIA, Qualcomm und Samsung. Zusätzlich erreichten die quelloffenen Mesa-Treiber Konformität auf mehreren Hardwareplattformen, darunter AMD, Apple, Intel, NVIDIA und Qualcomm. Das Vulkan SDK sollte laut Khronos im Januar 2025 auf Version 1.4 angehoben werden. Wie schnell Studios und Tool-Anbieter 1.4 als Mindestziel ansetzen, hängt an dieser breiten Treiberunterstützung über Desktop-, Mobil- und eingebettete Plattformen hinweg.