Godot 4.3 erschienen: interaktives Musiksystem, Physics Interpolation und nativer FBX-Import

Die Godot Foundation hat die Open-Source-Engine Godot 4.3 am 15. August 2024 veröffentlicht. Das Release zählt zu den umfangreichsten in der Geschichte des Projekts. Über 3.500 Commits flossen ein, rund doppelt so viele wie in Version 4.2, beigetragen von mehr als 500 Mitwirkenden. Im Zentrum stehen ein neues System für interaktive Musik, die Entkopplung von Physik-Tick und Bildrate sowie ein überarbeiteter Visual Shader Editor und nativer FBX-Import. Die Engine steht weiterhin unter der MIT-Lizenz und tritt damit als quelloffene Alternative im kommerziellen Gamedev an.

Interaktive Audio-Ressourcen und Physics Interpolation

Mit den drei neuen Ressourcen AudioStreamInteractive, AudioStreamPlaylist und AudioStreamSynchronized erhält Godot ein System für dynamische Spielmusik. AudioStreamInteractive verwaltet mehrere Clips samt Übergangsregeln, sodass sich Musik zur Laufzeit an Spielzustände anpassen lässt. AudioStreamPlaylist reiht Clips zu Abspiellisten auf, während AudioStreamSynchronized mehrere Streams parallel und taktgleich abspielt und so geschichtete Arrangements ermöglicht. Damit lassen sich adaptive Soundtracks ohne externe Middleware direkt im Editor aufbauen.

Auf der Simulationsseite führt Godot 4.3 Physics Interpolation für die 2D-Physik ein. Das Verfahren entkoppelt den Physik-Tick von der Anzeige-Bildrate und interpoliert die dargestellten Positionen zwischen zwei Physikschritten. Auf Displays mit hoher Bildwiederholrate sowie auf mobilen Geräten reduziert sich dadurch das sichtbare Ruckeln, ohne dass die feste Tickrate der Physik angepasst werden muss. Die Trennung von Simulations- und Darstellungsrate ist ein in der Spieleentwicklung etabliertes Muster, das Godot nun nativ für 2D bereitstellt.

Visual Shader Editor und nativer FBX-Import

Der Visual Shader Editor wurde grundlegend neu gestaltet. Nodes sind nun nach Kategorie farblich codiert, die Sichtbarkeit der Verbindungen wurde verbessert, und mit Reroute-Nodes sowie Frame-Nodes stehen zwei Werkzeuge zur Strukturierung umfangreicher Shader-Graphen bereit. Reroute-Nodes ordnen Verbindungslinien, Frame-Nodes fassen zusammengehörige Knoten visuell zusammen. Beim 3D-Import ersetzt der integrierte ufbx-Importer die bisherige Pipeline über das externe Werkzeug FBX2glTF. FBX-Dateien lassen sich damit ohne vorgelagerte Konvertierung direkt einlesen, was den Import-Workflow vereinfacht und externe Abhängigkeiten entfernt.

Godot 4.3 richtet sich an Studios und unabhängige Entwickler, die eine lizenzkostenfreie Engine mit zunehmend ausgereiftem Tooling suchen. Der Funktionsumfang bei Audio, Physik und Asset-Import nähert sich Bereichen an, für die zuvor kommerzielle Zusatzlösungen üblich waren. Damit rückt das Projekt enger an die Funktionsbreite kommerzieller Anbieter wie der Unreal Engine heran, wenn auch in einem anderen Lizenzmodell. Die hohe Zahl an Beitragenden zeugt von einer breiten Entwicklerbasis hinter dem Projekt. Weitere Details finden sich in den offiziellen Release-Notes der Godot Foundation.

Weitere News

Weitere News

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein