Nach mehreren gemeldeten Diebstählen auf der gamescom 2026 zieht der Veranstalter Konsequenzen aus der Kritik an seiner ersten Reaktion. Während die gamescom am 29. August noch von Einzelfällen sprach, entschuldigt sie sich in einer zweiten Stellungnahme für den damaligen Ton und kündigt eine eigene Sicherheitsprüfung für Indie-Aussteller an.
Update vom 4. September 2026: In ihrer zweiten offiziellen Stellungnahme räumt die gamescom ein, ihre erste Antwort habe weder den richtigen Ton getroffen noch den Betroffenen die nötige Empathie entgegengebracht. Ein Diebstahl könne für kleine Studios Arbeit gefährden, die über Monate oder Jahre entstanden sei. Mit ersten Betroffenen habe man bereits Gespräche aufgenommen.
Zusätzlich zur regulären Nachbereitung soll die Sicherheit für Indie-Aussteller gesondert geprüft werden. In den kommenden Wochen will die gamescom die Organisatoren gemeinsamer Indie-Stände zu einem Runden Tisch einladen und zusammen konkrete Maßnahmen entwickeln. Betroffene Aussteller werden aufgefordert, auch länger zurückliegende Vorfälle bei der gamescom und der Polizei zu melden, damit mögliche Verbindungen untersucht werden können.
Update vom 29. August 2026, 22 Uhr: In ihrer ersten offiziellen Stellungnahme erklärte die gamescom, alle ihr bekannten Fälle seien sowohl dort als auch bei der Polizei gemeldet worden; Ermittlungen liefen bereits. Eine Zahl, betroffene Hallen oder Ergebnisse nannte der Veranstalter nicht und bezeichnete die gemeldeten Vorgänge als Einzelfälle.
Die gamescom verwies damals auf uniformierte Sicherheitskräfte für das Gelände, separat buchbare Standwachen sowie die Empfehlung, Ausrüstung zu versichern. Ob die später öffentlich gewordenen Meldungen von Yangyang Mobile und @creamy_X3 zu diesem Zeitpunkt bereits erfasst waren, ging aus der Stellungnahme nicht hervor.
Die zweite Stellungnahme greift die Kritik an dieser Kommunikation auf und bittet zusätzlich um nachträgliche Meldungen, damit mögliche Verbindungen zwischen Vorfällen untersucht werden können.
Meldung vom 29. August 2026: Drei Diebstahlsfälle ließen sich Betroffenen klar zuordnen; ein vierter X-Post nannte gestohlene Stühle ohne nähere Angaben. Nach den Schilderungen der Betroffenen fehlten acht Laptops, ein Steam Deck und drei Plüschfiguren. Ob einzelne Vorfälle zusammenhängen, ist weiterhin nicht bekannt.
Die Meldungen betreffen unterschiedliche Stände und wurden an verschiedenen Tagen öffentlich. Tessera entdeckte den aufgebrochenen Schrank am Mittwoch, 26. August; die Teams in Halle 4.1 bemerkten ihren Verlust am Freitag nach der Nacht zuvor, Yangyang Mobile meldete am Samstag verschwundene Plüschfiguren. Der Bericht über die Stühle nennt weder eine Zahl noch Halle oder Tatzeit. Ob die Vorfälle zusammenhängen, ist nicht bekannt.
Fall 1: Sechs Laptops aus Halle 4.1 verschwunden
Der Solo-Entwickler Ryan Laley meldete den Vorfall am Freitag, 28. August. In seinem Video von der Messe berichtet er, die Laptops an seinem Stand seien in der Nacht zuvor verschwunden. Ladegeräte seien zurückgeblieben. Sicherheitsverantwortliche und Polizei seien verständigt worden.
In seinem eigenen Beitrag bei Reddit beziffert Laley den Verlust am gemeinsamen Stand auf sechs Laptops. Sein für die Vorführung von Mimic genutztes Alienware-Gerät gehörte dazu. Er betont zugleich, dass er nicht wisse, ob weitere Stände betroffen waren.
Auch iam8bit meldet zwei verschwundene Laptops. Darauf befanden sich Vorabfassungen von Petal Runner und Escape Academy 2, die für Medienvorführungen genutzt wurden. Das Unternehmen sieht deshalb ein mögliches Risiko, dass unfertige Builds nach außen gelangen. Hinweise auf eine tatsächliche Veröffentlichung dieser Daten gibt es bislang nicht.
Die beiden iam8bit-Geräte kommen nicht zusätzlich zu Laleys Zahl hinzu. Laley bestätigte ausdrücklich, dass beide Unternehmen am selben Stand untergebracht waren. Damit bleiben für diesen Komplex sechs direkt von einem Betroffenen genannte Laptops.
Fall 2: Zwei Laptops und ein Steam Deck bei Tessera gestohlen
Tessera Studios schildert einen davon getrennten Fund am Mittwoch, 26. August. Nach Angaben des Teams war ein Schrank am Stand gewaltsam geöffnet worden. Zwei Laptops und ein Steam Deck fehlten; auf den Geräten lagen neben der Messe-Demo auch persönliche und geschäftliche Daten. Ob Daten kopiert wurden, ist nicht belegt.
Tessera-Mitgründer Pere Suau schilderte denselben Verlust in einem eigenen Beitrag vom 28. August. Er schrieb, die beiden persönlichen Laptops und das Steam Deck seien am Stand zurückgelassen worden. Der Diebstahl habe die Präsentation des Spiels beeinträchtigt; außerdem hätten sich persönliche Daten auf den Geräten befunden.
Die offizielle gamescom-Produktseite führt Tessera Studios mit The Zibbo Show in Halle 10.2. Der Stand gehört zum Auftritt von Games from Spain. Einen zweiten Teil der Schilderung stellte das Studio ebenfalls online. Die betroffenen Geräte und der andere Hallenbereich trennen diesen Vorgang klar von den sechs Laptops in Halle 4.1.
Fall 3: Yangyang Mobile vermisst drei Spirit-Rancher-Plüschfiguren
Yangyang Mobile meldete am Samstag, 29. August, einen weiteren Diebstahl. Nach dem Beitrag des Studios wurden die drei Spirit-Rancher-Plüschfiguren Potato, Strawberry und Mushroom im Laufe des Tages gestohlen. Ein Foto zeigt die gesuchten Figuren. Halle, Standnummer und eine mögliche Anzeige nennt der Post nicht.
Fall 4: X-Post meldet gestohlene Stühle, Details fehlen
Der Account @creamy_X3 schrieb am Samstag um 20:32 Uhr, Stühle seien von seinem Stand gestohlen worden. Der kurze Beitrag enthält keine Zahl, keine Halle, kein Tatfenster und keinen Hinweis auf eine Meldung an Veranstalter oder Polizei.
Für Halle 4.1 war eine Nachtwache beworben
Für den von LEDhouse organisierten IGDA Lounge Pavilion in Halle 4.1 war eine nächtliche Bewachung Teil des Angebots. Das offizielle Ausstellerpaket nennt „overnight security“ sowie gemeinsam nutzbaren, abschließbaren Stauraum und Demo-Stationen mit abschließbaren Elementen. Auf diese Zusage verweisen Ryan Laley und iam8bit nach dem Diebstahl.
Aus der Leistungsbeschreibung geht nicht hervor, wer die Sicherung in der betreffenden Nacht konkret stellte, welche Flächen sie umfasste und ob alle zugesagten Maßnahmen ausgeführt wurden. LEDhouse hat dazu bislang keine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht.
Davon zu unterscheiden ist die allgemeine Hallenaufsicht der Koelnmesse. In den Teilnahmebedingungen steht, dass die allgemeine Überwachung nicht die Bewachung einzelner Stände einschließt. Die Koelnmesse übernimmt demnach weder die Obhut über Exponate noch automatisch deren Versicherung. Diebstähle sollen unverzüglich Polizei, Veranstalter und Versicherer gemeldet werden.
Die Haus- und Geländeordnung erlaubt Taschenkontrollen und verlangt für das Heraustragen von Standinventar eine schriftliche Berechtigung. Das beschreibt mögliche Kontrollinstrumente, belegt aber nicht, welche Kontrollen in den bekannten Tatzeiträumen tatsächlich stattfanden.
Indie Game Joe kritisiert die Reaktion der gamescom
Indie Game Joe, der Ryan Laley die Ersatzhardware finanzierte, widerspricht der Einordnung als bloße Einzelfälle. In einer ausführlichen Stellungnahme kritisiert er vor allem, dass die gamescom auf Standwachen, Versicherungen und Teilnahmebedingungen verweist, aber keine konkrete Hilfe für die betroffenen Entwickler ankündigt. Er fordert praktische Unterstützung und Änderungen am Sicherheitskonzept.
CD Projekt RED und Indie-Teams helfen den Bestohlenen
Andere Entwickler und Publisher reagierten schnell. Ryan Laley bestätigte, dass Indie Game Joe genug Geld für Ersatzhardware gespendet habe.
CD Projekt RED bot über den offiziellen Cyberpunk-2077-Account Hilfe an. Das Team prüfe seine Hardwarebestände, um Laley Ausrüstung schicken zu können. Laley bedankte sich; eine Übergabe wurde bislang nicht bestätigt.
Tessera Studios erhielt ebenfalls ein öffentliches Angebot. KillNeq verwies auf zusätzliche AMD-PCs, Monitore und Peripherie beim Team der Indie Arena Booth und schlug vor, damit den Stand wieder auszustatten. Später bestätigte Tessera, dass Games from Spain für den Rest der Messe einen Laptop gemietet habe.
Laley will trotz des verlorenen Vorführplatzes auf der Messe bleiben. In einem späteren Video kündigte er an, am Wochenende ohne Stand, aber weiterhin als Ansprechpartner für Mimic vor Ort zu sein.
Die öffentliche Meldungsübersicht der Polizei Köln enthält bis zum Update keine eigene Mitteilung zu den Vorfällen. Die gamescom verweist auf laufende Ermittlungen.
Schon 2022 berichteten Aussteller XboxDev von gestohlenen PlayStation-5-Konsolen, TV-Technik und Peripherie auf der gamescom. Ein Zusammenhang mit den Vorfällen von 2026 ist nicht belegt.

