Embracer spaltet sich nach 4.532 Entlassungen und 44 Studioschließungen in drei Börsenfirmen auf

Die Embracer Group hat am 22. April 2024 die Absicht angekündigt, sich in drei eigenständige, an der Nasdaq Stockholm börsennotierte Einheiten aufzuspalten. Aus dem schwedischen Konzern, der durch eine Serie von mehr als 80 Übernahmen zu einem der größten Akteure der Spielebranche aufgestiegen war, sollen die Tabletop-Sparte Asmodee, das Indie- und AA-Geschäft unter dem Namen Coffee Stain & Friends sowie die AAA-Sparte Middle-earth Enterprises & Friends hervorgehen. Die Maßnahme steht am Ende eines Umbaus, der den Konzern zwischen Juni 2023 und Mai 2024 4.532 Stellen, 44 Studios und 80 in Entwicklung befindliche Projekte gekostet hat.

Auslöser des Umbaus war das Platzen einer Investitionsvereinbarung über rund 2 Milliarden US-Dollar. Der Vertrag war im Oktober 2022 mündlich mit der Savvy Games Group, einer Tochter des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund, vereinbart worden, scheiterte jedoch im Mai 2023. Wie tief die saudischen Milliardeninvestitionen inzwischen in die Branche reichen, zeigt sich auch an anderer Stelle. Embracer-Manager Matthew Karch führte das Scheitern darauf zurück, dass die Transaktion als einzelnes monolithisches Vorhaben für Savvy zu groß geworden sei. Die Aktie verlor nach der Bekanntgabe rund 40 Prozent. Der Public Investment Fund hatte im Juni 2022 bereits einen Anteil von 8,1 Prozent an Embracer erworben.

Drei Säulen statt eines Konglomerats

Asmodee bündelt das Geschäft mit Brett- und Kartenspielen aus 23 vollständig im Eigentum stehenden Studios und mehr als 300 Marken. Für den vergangenen Zwölfmonatszeitraum bis Dezember 2023 weist die Sparte einen Umsatz von 14,8 Milliarden schwedischen Kronen und ein bereinigtes EBIT von 1,9 Milliarden Kronen aus. Die Einheit wurde mit einer Finanzierung von rund 900 Millionen Euro ausgestattet. Die Notierung und Verteilung der Anteile soll innerhalb von zwölf Monaten erfolgen.

Coffee Stain & Friends fasst das Indie-, AA- und Free-to-Play-Geschäft für PC, Konsole und Mobile zusammen und kommt im selben Zeitraum auf 10,9 Milliarden Kronen Umsatz bei 2,8 Milliarden Kronen bereinigtem EBIT. Die Abspaltung dieser Einheit ist für das Kalenderjahr 2025 vorgesehen. Middle-earth Enterprises & Friends positioniert sich als AAA-Sparte und verwaltet Marken wie Der Herr der Ringe, Tomb Raider und Metro. Diese Einheit weist 14,1 Milliarden Kronen Umsatz und 2,0 Milliarden Kronen bereinigtes EBIT aus. Konzernchef Lars Wingefors begründete den Schritt damit, dass das volle Potenzial jedes Teams freigesetzt werden solle, statt florierenden Geschäften Konformität aufzuzwingen.

Korrektur einer aggressiven Akquisitionsstrategie

Die Aufspaltung markiert das Ende einer Wachstumsphase, die ohne den ausgebliebenen Kapitalzufluss nicht mehr tragfähig war. Zu den bekanntesten Schließungen im Zuge des Umbaus zählen Volition im August 2023 und Free Radical Design im Dezember 2023. Die Trennung der drei Bereiche soll den Einheiten erlauben, jeweils eigene Kapitalstrukturen, Investorenkreise und strategische Ausrichtungen zu verfolgen. Dass die Savvy Games Group ihr Kapital danach an anderer Stelle platzierte, etwa bei der Übernahme der Niantic-Spielesparte durch Scopely, zeigt, wie schnell sich solche Geldströme verschieben. Der Embracer-Fall bleibt ein Beispiel dafür, wie stark schuldenfinanziertes Wachstum von externer Finanzierung abhängt und wie rasch ein Konglomerat zerlegt wird, sobald diese Grundlage entfällt.

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