Die Embracer Group hat am 13. Juni 2023 ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit sofortiger Wirkung angekündigt. Der schwedische Konzern reagiert damit auf das Scheitern eines Partnerschaftsvertrags, der über sechs Jahre vertraglich gesicherte Entwicklungsumsätze von mehr als zwei Milliarden US-Dollar gebracht hätte. Nachdem die Gegenseite Ende Mai 2023 absagte, fehlte ein zentraler Baustein der Finanzplanung. Das Programm zielt auf eine deutliche Stärkung des Cashflows und einen Abbau der Verschuldung ab.
Die Gegenpartei des geplatzten Geschäfts wurde zum Ankündigungszeitpunkt nicht genannt. Späteren Berichten zufolge handelte es sich um die staatlich finanzierte saudische Savvy Games Group, die über den Public Investment Fund getragen wird und bereits 2022 einen Anteil an Embracer gehalten hatte. Eine mündliche Einigung soll im Oktober 2022 bestanden haben, bevor das Vorhaben am 23. Mai 2023 scheiterte.
Konkrete Finanzziele des Programms
Embracer definiert für das Programm mehrere quantitative Vorgaben. Die Investitionsausgaben in die Spieleentwicklung sollen um mindestens 2,9 Milliarden schwedische Kronen sinken, gemessen an der Run-Rate von 7,9 Milliarden Kronen aus dem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2022/23. Die Overhead-Kosten sollen um mindestens zehn Prozent beziehungsweise rund 0,8 Milliarden Kronen pro Jahr gegenüber derselben Run-Rate reduziert werden, wovon im Geschäftsjahr 2023/24 etwa 0,4 Milliarden Kronen wirksam werden sollen. Die Nettoverschuldung, die per 31. März 2023 bei 15,6 Milliarden Kronen lag, soll bis zum 31. März 2024 auf rund 10,0 Milliarden Kronen fallen.
Zur Umsetzung gehören laut Mitteilung Studioschließungen, der Abbruch laufender Projekte, ein stärkerer Fokus auf eigene Marken sowie mögliche Veräußerungen von Vermögenswerten. Vorstandschef Lars Wingefors begründete die Maßnahmen mit der Notwendigkeit, den Cashflow zu stärken und das bestehende Markenportfolio besser zu nutzen.
Folgen für Studios und Projekte
Im weiteren Verlauf des Programms summierten sich die Einschnitte erheblich. Folgeberichten zufolge führte die Restrukturierung zwischen Juni 2023 und Mai 2024 zur Schließung von 44 Studios, zum Abbau von rund 4.500 Stellen und zur Streichung von etwa 80 in Entwicklung befindlichen Projekten. Betroffen waren unter anderem ein neues Deus Ex, eine Neuauflage von TimeSplitters sowie ein Red-Faction-Titel. Zu den geschlossenen Studios zählten Free Radical Design und Volition mit nahezu drei Jahrzehnten Historie.
Der Fall gilt als Lehrstück für fremdfinanziertes Akquisitionswachstum in der Spielebranche. Embracer hatte über Jahre zahlreiche Studios und Marken zugekauft und sich dabei stark verschuldet. Der Wegfall eines einzelnen, fest eingeplanten Finanzierungspartners reichte aus, um eine Korrektur in Gang zu setzen, die das Geschäftsmodell der vorangegangenen Expansionsphase grundlegend in Frage stellte.
