Umsatz im dritten Geschäftsquartal unter Vorjahr und Erwartungen
Die Embracer Group hat am 13. Februar 2025 ihre Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 vorgelegt. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2024 erzielte der schwedische Publisher einen Umsatz von umgerechnet rund 650 Millionen Euro. Das liegt sowohl unter dem Vorjahresquartal mit 680 Millionen Euro als auch unter den Erwartungen der Marktbeobachter.
Mobile Games und der Bereich Entertainment & Services entwickelten sich stabil, während die Einnahmen aus PC- und Konsolenspielen deutlich einbrachen. Auf Basis der ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres liegt der Umsatz 35 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Ein Teil des Rückgangs geht auf den Verkauf von Saber Interactive und Gearbox zurück, die inzwischen nicht mehr zum Konzern gehören.
An der Börse kam die Nachricht schlecht an: Die Embracer-Aktie verlor am Tag der Veröffentlichung zeitweise 15 Prozent an Wert.
Kingdom Come: Deliverance 2 verkauft sich gut, zahlt sich aber erst später aus
Auf ein besseres Bild blickt Embracer beim Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance 2, entwickelt von den Prager Warhorse Studios und vertrieben von der Münchner Tochter Plaion. In der ersten Woche nach Verkaufsstart wurden mehr als eine Million Exemplare für PC und Konsolen abgesetzt, die Marke von zwei Millionen war bereits in Reichweite. Innerhalb der Spielwelt zählten die Entwickler unter anderem 600.000 erlegte Hasen und Schafe, fast neun Millionen geschmiedete Waffen und 63 Millionen registrierte Kills.
Diese Verkäufe fließen allerdings noch nicht in die vorliegenden Geschäftszahlen ein, da Kingdom Come: Deliverance 2 erst nach dem Bilanzstichtag Ende Dezember 2024 erschienen ist. Erst im folgenden Quartal wird sich zeigen, wie stark der Titel zum Konzernergebnis beiträgt.
Zehn neue AAA-Spiele geplant, dünne Pipeline in den kommenden Monaten
Für die kommenden drei Jahre kündigte Embracer zehn AAA-Produktionen für PC und Konsolen an, von denen zwei bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26, also vor März 2026, erscheinen sollen. Daneben stehen mittelgroße Projekte wie das Gothic Remake, Titan Quest 2 und Wreckfest 2 auf dem Programm. Für die nächste Zeit räumte der Konzern selbst ein, dass keine nennenswerten eigenen PC- oder Konsolenveröffentlichungen anstehen.
CEO Lars Wingefors blickt nach Angaben des Unternehmens lieber nach vorn als zurück: In den kommenden Monaten soll der Bereich Coffee Stain & Friends samt THQ Nordic und dessen Tochterstudios als eigenständige Einheit an die Börse gebracht werden. Bei Embracer verbleibt dann die Einheit Middle-Earth & Friends mit dem umsatzstärkeren Geschäft rund um Marken wie Kingdom Come: Deliverance, Dead Island, Metro, Der Herr der Ringe und Tomb Raider.
Aufspaltung des Konzerns liegt im Zeitplan
Die Embracer Group hat sich innerhalb eines Jahres stark verändert. Zentrale Sparten wie Saber Interactive, Gearbox Entertainment und Easybrain wurden ganz oder in großen Teilen verkauft. Seit dem 7. Februar 2025 wird zudem die Brettspielsparte Asmodee getrennt an der Nasdaq Stockholm gehandelt, was den kurzfristigen Kurseinbruch in der vergangenen Woche mit erklärt.
Der Konzern beschäftigt weltweit rund 7.500 Menschen, davon 5.000 Entwickler, verteilt auf 75 interne Studios mit insgesamt 118 laufenden Spieleprojekten und einem Markenportfolio von 450 Titeln. Mehr als 1.000 Beschäftigte arbeiten in Deutschland und Österreich, unter anderem in Wien (THQ Nordic, Purple Lamp Studios), Giebelstadt (HandyGames), Offenburg (Black Forest Games), Hamburg (Fishlabs), München (Plaion, Grimlore Games), Köln (Massive Miniteam) und Frankfurt (Kaiko, Metricminds).
Im vorangegangenen Quartal war bereits das PC- und Konsolengeschäft der Embracer Group eingebrochen, nachdem der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres schon um 24 Prozent nachgegeben hatte. Die Talsohle scheint mit den aktuellen Zahlen noch nicht durchschritten.
