Microsoft hat am 26. Februar 2026 das DirectX 12 Agility SDK 1.619 als Retail-Version veröffentlicht und damit Shader Model 6.9 sowie DirectX Raytracing 1.2 aus der Preview-Phase in den produktiven Einsatz überführt. Mit dem Retail-Status können Entwickler die Funktionen erstmals in ausgelieferten Titeln verwenden, ohne auf den Developer Mode oder experimentelle Treiber angewiesen zu sein. Die zum SDK passende Compiler-Version ist DXC 1.9.2602.16.
Shader Model 6.9 bringt als zentrale Neuerung die sogenannten Long Vectors. Damit lassen sich Vektoren mit bis zu 1024 Elementen direkt im Shader verarbeiten, statt sie wie bisher in Vierergruppen umständlich zu verpacken. Ergänzt wird das durch erweiterte 16-Bit-Float-Sonderfunktionen wie IsNan, IsInf, IsFinite und IsNormal. Einige zuvor optionale Hardware-Fähigkeiten setzt das Modell nun zwingend voraus, darunter native 16-Bit- und 64-Bit-Shader-Operationen sowie Wave-Operationen.
SER und Opacity Micromaps für schnelleres Raytracing
DirectX Raytracing 1.2 erhält mit dem Retail-Release zwei Funktionen, die direkt auf die Raytracing-Performance zielen. Shader Execution Reordering (SER) gruppiert Shader-Aufrufe nach Last und reduziert so die Divergenz bei der Ausführung, was bei stark verzweigten Raytracing-Workloads die Auslastung der GPU verbessert. Opacity Micromaps (OMM) beschleunigen die Behandlung teiltransparenter Geometrie wie Laub oder Gitterstrukturen, indem sie unnötige Any-Hit-Shader-Aufrufe vermeiden. Ähnliche Wege zur Beschleunigung pfadbasierter Beleuchtung zeigte zuletzt auch NVIDIAs Vorstellung von Neural Rendering und RTX-Technologie auf der GDC 2025. Beide Funktionen sind für Titel auf Xbox-Hardware und PC-GPUs gleichermaßen relevant, da sie auf der gemeinsamen DirectX-Basis aufsetzen.
Auf Treiberseite nennt Microsoft konkrete Mindestversionen. AMD verlangt den Adrenalin-Treiber 26.2.1, NVIDIA die Treiberreihe ab Version 595, und auch Intel Arc wird mit bestimmten Versionen unterstützt. Damit ist die Funktionsbasis über mehrere GPU-Hersteller hinweg verfügbar, wobei der konkrete Funktionsumfang von der jeweiligen Architektur abhängt.
Cooperative Vector weicht Shader Model 6.10
Eine Funktion fehlt im Retail-Release bewusst: Cooperative Vector wurde verworfen. Microsoft begründet das mit einem künftigen Entwurf, der Matrix-Matrix- und Vektor-Matrix-Operationen vereinheitlichen soll und mit Shader Model 6.10 kommt. Die nun produktiv verfügbaren Long Vectors kommen den entsprechenden Operationen zwar zugute, das ursprüngliche Cooperative-Vector-Design selbst wird damit aber abgelöst. Entwickler, die auf maschinelles Lernen im Shader setzen, müssen ihre Planung an dieser Stelle auf die nächste Modellgeneration ausrichten.
Über die Shader- und Raytracing-Funktionen hinaus gehen vier von Kunden angefragte Direct3D-12-Funktionen in den Retail-Status: überarbeitete APIs zur Erstellung von Resource Views, periodische Trim-Benachrichtigungen, ein erhöhtes Dispatch-Grid-Limit sowie CPU-seitige Auflösung von Timeline-Queries. Im Preview-Kanal bleibt parallel die Version 1.719-preview verfügbar, über die Microsoft die nächsten Funktionen vor ihrer Freigabe testet. Wie stark moderne Raytracing-Pipelines mittlerweile auch älteren Spielen zugutekommen, zeigt etwa der Modding-Ansatz von NVIDIA RTX Remix 1.5, das auf derselben DirectX-Grundlage aufbaut.
