Die Communications Workers of America (CWA) und Microsoft haben am 13. Juni 2022 ein Abkommen zur gewerkschaftlichen Neutralität angekündigt. Es soll greifen, sobald die geplante Übernahme von Activision Blizzard abgeschlossen ist, und gilt dann für die Beschäftigten des Konzerns. Eine vergleichbare Vereinbarung zwischen einer großen Gewerkschaft und einem Unternehmen der Spielebranche hat es bis dahin nicht gegeben. Geregelt wird darin, wie sich Microsoft verhält, wenn Mitarbeiter Interesse an gewerkschaftlicher Organisation zeigen.
In Kraft tritt das Abkommen 60 Tage nach Vollzug der Akquisition und betrifft die von der Transaktion erfassten Beschäftigten. Es macht jene Arbeitsprinzipien konkret, die Microsoft zuvor am 2. Juni 2022 öffentlich gemacht hatte. Die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme stand zu diesem Zeitpunkt noch aus. Trotzdem gab es damit bereits einen vertraglichen Rahmen, der bei einem Abschluss zum Tragen kommt.
Fünf Grundsätze des Abkommens
Die Vereinbarung beruht auf fünf Grundsätzen. Microsoft sagt eine neutrale Haltung zu, sobald erfasste Beschäftigte Interesse an einer Mitgliedschaft in der CWA äußern. Diese Mitarbeiter dürfen sich mit Kollegen und Gewerkschaftsvertretern über eine Mitgliedschaft austauschen, ohne dass der Geschäftsbetrieb gestört wird. Für die Entscheidung ist ein vereinfachtes, technisch gestütztes Verfahren vorgesehen. Es ersetzt die klassische Wahl unter Aufsicht des National Labor Relations Board. Ihre Entscheidung sollen die Beschäftigten vertraulich treffen können. Streitigkeiten zwischen CWA und Microsoft, die sich nicht direkt klären lassen, gehen in ein beschleunigtes Schiedsverfahren.
CWA-Präsident Chris Shelton erklärte, das Abkommen schaffe für Beschäftigte von Activision Blizzard einen Weg, ihre Rechte auf Organisation und Tarifverhandlungen nach Abschluss der Übernahme wahrzunehmen. Microsoft-Präsident Brad Smith verwies auf die Zusammenarbeit mit der CWA und bezeichnete die Partnerschaft als Möglichkeit, gemeinsam zu wachsen und Neues zu entwickeln. Wie eng die Organisierung mit dem Tagesgeschäft verzahnt ist, hatten Diskussionen rund um Activision Blizzard zuvor schon gezeigt.
Warum das für die Spieleindustrie ungewöhnlich ist
Gewerkschaftliche Organisation war in US-Entwicklerstudios bis dahin selten formalisiert. Genau das macht den Vorgang bemerkenswert. Microsoft stellt sich gegenüber Regulierungsbehörden und Gewerkschaften als Arbeitgeber dar, der organisatorische Bestrebungen nicht behindert. Die CWA hatte zuvor bereits Organisierungsbemühungen bei Studios von Activision Blizzard begleitet. Damit hängt die arbeitsrechtliche Seite direkt am laufenden Übernahmeverfahren und an dessen Prüfung durch die Behörden.
