Die britische Competition and Markets Authority (CMA) teilte am 22. September 2023 mit, dass die umgebaute Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft die früheren Bedenken beim Cloud-Gaming weitgehend ausräumt. Kern der Neuordnung ist die Abtretung der Cloud-Streaming-Rechte an Activisions PC- und Konsolenspielen an den französischen Publisher Ubisoft Entertainment. Sie soll noch vor dem Vollzug der Transaktion erfolgen. Die Rechte gelten 15 Jahre lang und schließen den Europäischen Wirtschaftsraum aus, der bereits durch die Freigabe der EU-Kommission abgedeckt ist.
Mit der Übertragung an Ubisoft fallen zentrale Inhalte wie Call of Duty, Overwatch und World of Warcraft im Cloud-Bereich nicht unter die Kontrolle von Microsoft. Ubisoft kann die betroffenen Titel direkt an Endkunden und an sämtliche Cloud-Gaming-Anbieter lizenzieren, ob für Buy-to-Play-Modelle, Mehrspiel-Abonnements oder Vertriebsformen, die sich erst noch im Markt entwickeln. Den ursprünglichen Zusammenschluss hatte die Behörde im April 2023 untersagt. Es war der bis dahin größte Eingriff einer Wettbewerbsbehörde weltweit in das Geschäft von Microsoft.
Neues Phase-1-Verfahren mit verbleibenden Vorbehalten
Für die umgebaute Transaktion leitete die Behörde ein neues Phase-1-Verfahren ein. Sie kam zu dem Ergebnis, dass weiterhin begrenzte Vorbehalte bestehen. Das betrifft vor allem die Frage, ob die Vereinbarung mit Ubisoft umgangen, gekündigt oder schlicht nicht durchgesetzt werden könnte. Hintergrund ist die geschäftliche Beziehung zwischen Microsoft und Ubisoft. Microsoft legte deshalb zusätzliche Abhilfemaßnahmen vor, die nach Einschätzung der CMA geeignet sind, diese Restbedenken auszuräumen. Über die Zusagen eröffnete die Behörde eine öffentliche Konsultation mit Frist bis zum 6. Oktober 2023.
Colin Raftery, Senior Director bei der CMA, sprach von einem neuen und wesentlich anderen Deal, der die Cloud-Distribution der betroffenen Spiele in den Händen eines starken und unabhängigen Anbieters belasse. CMA-Chefin Sarah Cardell hielt fest, der Zusammenschluss könne nur fortgesetzt werden, wenn Wettbewerb, Innovation und Auswahl im Cloud-Gaming erhalten blieben.
Was den umgebauten Deal vom alten Modell unterscheidet
Microsoft und Activision Blizzard hatten die neue Transaktion im August 2023 bei der CMA notifiziert, nachdem die Behörde den ursprünglichen Zusammenschluss blockiert hatte. Die Abtretung der Cloud-Rechte an Ubisoft löst Microsofts altes Modell ab. Dort wollte das Unternehmen die Bedenken über mehrjährige Lizenzvereinbarungen mit einzelnen Streaming-Plattformen ausräumen. Mit der Konsultation bis zum 6. Oktober 2023 stand ein klarer Zeitrahmen fest, in dem die Behörde ihre abschließende Entscheidung über die neue Struktur treffen wollte.
Für die Gaming-Branche zählte das Verfahren, weil die CMA als eine der wenigen Behörden den ursprünglichen Deal untersagt hatte. Damit wurde sie zur entscheidenden Hürde für den Abschluss der rund 69 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme. Die positive Einschätzung zur Cloud-Lösung im September 2023 öffnete den Weg für eine abschließende Freigabe der umgebauten Transaktion.
