CMA blockiert Microsofts Activision-Blizzard-Übernahme: Cloud-Gaming als Veto-Grund

Die britische Competition and Markets Authority (CMA) hat die 68,7 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft untersagt. Die Behörde teilte ihre Entscheidung am 26. April 2023 mit. Anders als von vielen Beobachtern erwartet stützt sich das Verbot nicht auf den Konsolenmarkt und die Frage, ob Call of Duty künftig exklusiv auf der Xbox erscheinen könnte. Ausschlaggebend war der weit kleinere, aber rasch wachsende Markt für Cloud-Gaming. Damit ist die CMA die einzige der großen Wettbewerbsbehörden, die den Zusammenschluss vollständig stoppte.

Nach Einschätzung der Behörde hält Microsoft im globalen Cloud-Gaming bereits einen Anteil von schätzungsweise 60 bis 70 Prozent und verfügt mit dem Xbox-Geschäft, dem Betriebssystem Windows und der Cloud-Infrastruktur Azure über Bausteine, die in diesem Segment kaum ein Wettbewerber kombinieren kann. Ein Zukauf des Activision-Portfolios mit Titeln wie Call of Duty, Overwatch und World of Warcraft würde diesen Vorsprung nach Lesart der CMA weiter ausbauen.

Warum ein Nischenmarkt zum Show-Stopper wurde

Cloud-Gaming setzte 2023 noch geringe Umsätze um, gilt der CMA jedoch als das Wachstumsfeld, in dem sich die Marktverhältnisse der nächsten Jahre entscheiden. Genau in einem frühen, noch beweglichen Markt sah die Behörde die größere Gefahr. Wer hier früh eine beherrschende Stellung absichert, kann späteren Wettbewerb verhindern, bevor er überhaupt entsteht. Martin Coleman, Vorsitzender des Untersuchungsgremiums, fasste die Begründung so zusammen, dass Microsoft im Cloud-Gaming bereits eine starke Position und einen Vorsprung gegenüber anderen Anbietern habe und der Deal diesen Vorteil verstärken würde, womit das Unternehmen neue und innovative Konkurrenten unterlaufen könnte. Cloud-Gaming brauche einen freien, wettbewerblichen Markt, um Innovation und Auswahl voranzutreiben.

Die von Microsoft angebotenen Zusagen lehnte die CMA ab. Die Behörde bemängelte, dass die Verhaltensauflagen die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Abodienste nicht ausreichend abdeckten, andere PC-Betriebssysteme als Windows nur unzureichend berücksichtigten und feste Vertragsbedingungen vorgaben, statt den Markt sich frei entwickeln zu lassen. Solche Auflagen hätten zudem eine dauerhafte regulatorische Aufsicht erfordert. Dem stellte die CMA das Ergebnis gegenüber, dass ein freier Wettbewerb am besten dadurch erhalten bleibe, die bestehende Marktdynamik weiterlaufen zu lassen.

Was das für künftige Tech-Fusionen bedeutet

Die Entscheidung verschiebt den Prüfmaßstab für große Plattformzusammenschlüsse. Nicht der etablierte Kernmarkt eines Anbieters steht im Zentrum, sondern angrenzende Felder, die noch klein sind, aber strukturell wachsen. Für Konzerne, die Inhalte, Endgeräte, Betriebssystem und Rechenzentren unter einem Dach bündeln, bedeutet das eine schärfere Prüfung der Frage, ob ein Zukauf vertikale Vorteile in ein entstehendes Geschäft hineinträgt. Die abweichende Haltung der CMA gegenüber anderen Behörden zeigt zugleich, dass globale Fusionen an einem einzelnen nationalen Veto scheitern können, selbst wenn andere Märkte den Deal längst durchgewunken haben. So hatte etwa Neuseeland die Übernahme genehmigt, während London die Notbremse zog.

Die Angaben basieren auf der offiziellen Quelle.

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