Chinas Zentralbank plant Digitalwährung noch vor Facebooks Libra

Die chinesische Zentralbank steht nach eigenen Angaben kurz vor der Fertigstellung einer eigenen Digitalwährung. Mu Changchun, stellvertretender Direktor der Abteilung für Zahlungsabwicklung der People’s Bank of China, rechnet mit einer Einführung noch im November 2019 und damit deutlich vor dem geplanten Start von Facebooks Libra. Die Währung soll sich laut Reuters sowohl im Tencent-Messenger WeChat als auch beim Zahlungsdienstleister Alipay verwenden lassen.

Forschung seit 2014, Anlehnung an Libra

Die Notenbank hatte bereits 2014 eine Forschergruppe eingesetzt, um eine digitale Landeswährung zu prüfen. Die Ziele sind die Senkung der Kosten für die Versorgung mit Papiergeld und eine stärkere Kontrolle der Geldmenge. Wie Libra soll die neue Währung an Devisen gebunden werden, um Kursschwankungen wie bei Bitcoin zu vermeiden. Mu beschreibt das Design als dem Libra-Projekt ähnlich, jedoch nicht als direkte Kopie.

Die Tokens sollen so sicher sein wie von der Zentralbank ausgegebenes Papiergeld und auch ohne Internetverbindung funktionieren, etwa wenn die Kommunikation nach einem Erdbeben zusammenbricht. Zugleich will die Behörde ein Gleichgewicht zwischen anonymen Zahlungen und der Verhinderung von Geldwäsche finden. Gegenüber kommerziellen digitalen Bezahlmethoden habe eine Zentralbankwährung den Vorteil, dass eine Plattform wie WeChat oder Alipay nicht in Insolvenz fallen könne, was Nutzerverluste bedeuten würde.

Geldsouveränität als Motiv

Als Grund für das Projekt nannte Mu den Schutz der Geldsouveränität: Trotz hoch entwickelter elektronischer Zahlungsmethoden arbeite die Zentralbank an einer eigenen Digitalwährung, um den Status der gesetzlichen Währung zu sichern und für schwierige Zeiten vorzusorgen. Verschiedene Analysten sehen im Tempo eine Reaktion auf die Libra-Ankündigung von Facebook vom Juni 2019, die bei Aufsehern weltweit Sorgen vor einer dominanten grenzüberschreitenden Zahlungsmethode auslöste. Das US-Magazin Forbes hatte unter Berufung auf Quellen berichtet, die chinesische Währung könne bis zum 11. November 2019 bereitstehen.

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