Apple hat Entwicklern von Apps mit HTML5-Inhalten sechs Monate mehr Zeit für die Anpassung an die verschärften App-Store-Regeln eingeräumt. In der Mitteilung im Apple Developer Newsroom vom 6. September 2019 setzt das Unternehmen die Frist für bestehende Apps auf den 3. März 2020. Neue Einreichungen müssen die Richtlinie 4.7 in den Abschnitten 4, 5 und 6 bereits jetzt vollständig erfüllen.
Hintergrund ist die Grundsatzregel, dass Apps im App Store eigenständige Pakete sein müssen: Die funktionalen Kernbestandteile sollen im Binary der Software stecken und nicht über externe Aufrufe, etwa durch HTML5, bereitgestellt werden. Apps, die ihre Kernfunktionen dynamisch über Webtechnologien laden, verweist Apple an Safari. Im Juni 2019 hatte das Unternehmen die App Store Review Guidelines an der Stelle nachgeschärft: Software, die nicht im Binary eingebettet ist, darf keinen Zugang zu Echtgeld-Glücksspiel, Lotterien oder wohltätigen Spenden bieten.
Auswirkung auf Browser- und Minispiele-Entwickler
Für Studios, die Browser- oder Minispiel-Technologien in iOS-Apps ausliefern, ändert die Verschiebung nichts am Endziel, gewinnt aber Planungszeit. Apple verlangt von ihnen, funktionale Inhalte bis März 2020 entweder ins App-Binary zu verlagern oder ganz über den Browser auszuliefern. Der Schritt betrifft damit auch den wachsenden Markt für leichtgewichtige Webspiele, für den seit der Flash-Umstellung ohnehin Umrüstarbeit ansteht; Apple stand bei der Regulierung mobiler Plattformen zuletzt bereits in der Kritik, als das Unternehmen die Steam-Link-App für iOS zurückwies.
Für die Spieleentwicklung im Web insgesamt bleibt der Trend zu offenen Webstandards bestehen: Nach dem angekündigten Ende des Adobe Flash Players zum Jahresende 2020 setzen Anbieter von Browserspielen auf HTML5, WebGL und WebAssembly. Apples Regelung verengt nun die Frage, ob solche Inhalte zusätzlich als native App im App Store erscheinen dürfen oder ausschließlich im Browser ausgeliefert werden.

