Das Amtsgericht München hat zum 24. April 2024 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Holoride GmbH angeordnet (Az.: 1501 IN 1302/24), wie am 7. Mai 2024 öffentlich bekannt wurde. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl bestellt.
Holoride ist ein 2019 als Ausgründung von Audi entstandenes Münchener Unternehmen, das eine patentierte Technologie zur Kopplung von Virtual-Reality-Inhalten mit der Fahrdynamik eines Autos entwickelt hat. Geschwindigkeit, Kurvenlage, Beschleunigung, Lenk- und Bremsvorgänge fließen dabei direkt in das VR-Erlebnis ein, das Unternehmen selbst nennt das Konzept „Elastic Content“. 2021 wurde Holoride dafür mit dem Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Beste Innovation und Technologie“ ausgezeichnet.
Zum Einstieg kostete das Holoride-Starterpaket zwischen 600 und 700 Euro und enthielt eine HTC-Vive-VR-Brille, ein Gamepad sowie ein dreimonatiges Abonnement für die hauseigene Spielebibliothek. Jeder weitere Monat sollte 12,99 Euro kosten, zwischenzeitlich hatte Holoride zusätzlich ein Mietmodell für die Hardware aufgelegt.
Terranet zieht sich als Geldgeber zurück
Zwei Tage vor Bekanntwerden der Insolvenzverwaltung hatte der schwedische Automobilzulieferer Terranet mitgeteilt, kein weiteres Kapital in Holoride nachzuschießen. Terranet hielt seit 2021 rund zehn Prozent an dem Startup und gehörte damit neben Audi zu den wesentlichen Anteilseignern, in der Series-A-Finanzierungsrunde war Holoride mit rund 30 Millionen Euro bewertet worden. Audi selbst war von Beginn an auch operativ in Vertrieb und Vermarktung der Hard- und Software eingebunden.
Laut Terranet befand sich das Holoride-Management zuletzt in fortgeschrittenen, aber sich hinziehenden Verhandlungen mit neuen Geldgebern. Weil die Liquidität dadurch nicht gesichert war, sei das Insolvenzverfahren aus Sicht des Zulieferers alternativlos gewesen. Im Rahmen des Verfahrens sollen nun neue Eigentümer oder Investoren gesucht werden, gelingt das nicht, droht die Liquidation. Terranet hatte sein Investment bereits zum Stichtag 31. Dezember 2023 vollständig abgeschrieben.
Weniger Produktnachrichten, mehr Kryptowährung
Rückblickend hatten sich bereits seit Herbst 2023 erste Risse gezeigt: Die Abstände zwischen Produktneuheiten sowie Messe- und Presseauftritten wurden größer, die letzte offizielle Verlautbarung des Unternehmens datierte vom Oktober 2023. Stattdessen rückte die hauseigene Kryptowährung RIDE stärker in den Vordergrund, mit der sich digitale Inhalte und Upgrades über Blockchain-Marktplätze handeln lassen sollten. Der Wechselkurs von RIDE ist seither jedoch eingebrochen.
Holoride-Management und Audi AG waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung um eine Stellungnahme zur aktuellen Situation gebeten worden, eine Reaktion stand zunächst aus.
