ADL dokumentiert Millionen extremistischer Inhalte auf Steam

Die Anti-Defamation League (ADL) dokumentiert in einer Untersuchung Millionen potenziell extremistischer und hasserfüllter Inhalte in der Steam Community. Der Bericht des ADL Center on Extremism erfasste mehr als 458 Millionen Profile, 152 Millionen Profil- und Gruppenbilder sowie über 610 Millionen Kommentare.

Die Analyse identifizierte 1,83 Millionen eindeutige Inhalte mit potenziell extremistischen oder hasserfüllten Symbolen, Schlagworten und Textbausteinen. Dazu zählten antisemitische und neonazistische Bildmotive, extremistische Begriffe sowie kopierte Textblöcke. Die ADL weist darauf hin, dass die Erkennung auf öffentlich sichtbaren Inhalten und automatisierten Verfahren beruht. Die Zahlen beschreiben daher erkannte Inhalte und nicht die Zahl der Nutzer, die diese Inhalte bewusst erstellt oder verbreitet haben.

Auswertung öffentlicher Steam-Daten

Für die Untersuchung sammelte das Center on Extremism Daten bis zum 25. Juli 2024. Das Material umfasste mehr als 458,32 Millionen Nutzerprofile, 152,2 Millionen Profil- und Gruppenbilder sowie 610,6 Millionen Kommentare. Neben den 1,83 Millionen erkannten Inhalten nennt die ADL 1,5 Millionen Nutzer und 73.824 Gruppen, bei denen mindestens ein potenziell extremistisches Symbol, ein Textbaustein oder ein Schlagwort gefunden wurde.

Die Untersuchung nennt unter anderem 1,18 Millionen erkannte Copypastas mit potenziell extremistischer oder hasserfüllter Einordnung. Bei solchen automatisierten Erkennungen sind Fehlklassifikationen möglich. Der Bericht erläutert deshalb die Datenbasis und die Grenzen der Methode ausführlich.

ADL fordert verbindliche Moderationsregeln

Valve führt für Steam einen öffentlichen Verhaltenskodex, der unter anderem illegale oder unangemessene Inhalte, Belästigung und die Störung des Dienstes untersagt. Begriffe wie Extremismus und Antisemitismus werden dort jedoch nicht ausdrücklich genannt. Die ADL kritisiert deshalb, dass Steam nach ihrer Einschätzung keine umfassende und systematisch durchgesetzte Regel gegen extremistische Inhalte auf der Community-Plattform erkennen lässt. Valve habe problematische Inhalte in einzelnen Fällen entfernt, die Maßnahmen seien jedoch häufig erst nach öffentlicher Aufmerksamkeit oder staatlichem Druck erfolgt. Die Organisation fordert klare Verbote extremistischer Inhalte, nachvollziehbare Durchsetzung und eine systematische Prüfung der Moderationslücken.

Für die Spielebranche betrifft die Debatte nicht nur den Store, sondern auch Profile, Gruppen und Kommentare, die als soziale Ebene einer Vertriebsplattform funktionieren. Entwickler und Publisher sind auf Steam als Verkaufs- und Community-Infrastruktur angewiesen. Die frühere Beschränkung der Steam-Community-Funktionen durch Valve zeigt, dass der Betreiber solche Plattformregeln bereits mehrfach technisch verändert hat.

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