Nvidia hat am 22. August 2023 zur gamescom 2023 DLSS 3.5 vorgestellt und damit die Bildverarbeitungstechnik um eine Komponente namens Ray Reconstruction erweitert. Das Verfahren ersetzt die bislang per Hand abgestimmten Denoiser in der Raytracing-Pipeline durch ein einziges, trainiertes KI-Netzwerk. Nvidia gibt an, dieses Modell mit der fünffachen Datenmenge gegenüber DLSS 3 trainiert zu haben. Ziel ist eine höhere Qualität raytracing-basierter Beleuchtung, ohne dass Studios mehrere separate Entrauschungsfilter pflegen müssen.
Vom handgetunten Denoiser zum KI-Modell
Bei klassischem Raytracing werden pro Pixel nur wenige Strahlen berechnet. Die lückenhaften Ergebnisse müssen anschließend durch Denoiser geglättet und auf das gesamte Bild interpoliert werden. Diese Filter sind bisher spezifisch für einzelne Effekte abgestimmt und arbeiten teils auf reduzierter Auflösung. Daraus entstehen Bildfehler wie Ghosting, flackernde Reflexionen oder fleckige Beleuchtung. Ray Reconstruction setzt an dieser Stelle an. Ein gemeinsames KI-Netzwerk wertet die gesampelten Strahlendaten aus, erkennt unterschiedliche raytracing-basierte Effekte und entscheidet auf dieser Grundlage über die zeitliche und räumliche Akkumulation der Daten. Hochfrequente Bildinformationen bleiben dabei erhalten, was für das anschließende Hochskalieren relevant ist.
Für die Entwicklungsseite bedeutet das eine Verlagerung im Aufbau der Render-Pipeline. Statt eigene Denoiser für Schatten, Reflexionen oder globale Beleuchtung zu integrieren und einzeln abzustimmen, binden Studios das DLSS-3.5-Modell ein, das diese Aufgabe zentral übernimmt. Wie sich neuronale Render-Verfahren bei Nvidia weiterentwickelt haben, zeigten spätere Auftritte wie die Neural-Rendering-Updates zur GDC 2025. Ray Reconstruction gehört zur bestehenden DLSS-Familie und kann je nach Hardware mit Super Resolution, DLAA und Frame Generation kombiniert werden.
Erste Titel und Hardware-Unterstützung
Zum Start im Herbst 2023 nannte Nvidia mehrere Titel und Anwendungen mit Unterstützung für Ray Reconstruction, darunter Cyberpunk 2077 samt der Erweiterung Phantom Liberty, Alan Wake 2 und Portal with RTX. Auf Seiten professioneller Werkzeuge wurden Chaos Vantage, D5 Render und Nvidia Omniverse aufgeführt. Ray Reconstruction steht grundsätzlich allen GeForce-RTX-Grafikkarten zur Verfügung. Auf der RTX-40-Serie lässt sich das Verfahren gemeinsam mit Super Resolution und Frame Generation nutzen, während Nutzer der RTX-20- und RTX-30-Serie es mit Super Resolution und DLAA verbinden können.
Mit DLSS 3.5 macht Nvidia das KI-gestützte Entrauschen zum Bestandteil der Standard-Pipeline für raytracing-intensive Spiele. Da das Modell die bisherige Aufgabe mehrerer Denoiser übernimmt, verschiebt sich die Integration aufwendiger Bildaufbereitung von projektspezifischen Lösungen hin zu einer einheitlichen, von Nvidia bereitgestellten Komponente. Engines wie die Unreal Engine 5.6 setzen ihrerseits auf optimierte Workflows, in die sich solche Technik einbetten lässt.